Pneumologie 2017; 71(S 01): S1-S125
DOI: 10.1055/s-0037-1598353
Posterbegehung – Sektion Endoskopie
Bronchoskopie 1 (Interventionelle Bronchoskopie) – Dieter Würflein/Nürnberg, Philipp M. Lepper/Homburg (Saar)
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Als der Polyp ging, kam die Luft

A Frille
1  Abteilung für Pneumologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
,
J Bräunlich
1  Abteilung für Pneumologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
,
HJ Seyfarth
1  Abteilung für Pneumologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
,
H Wirtz
1  Abteilung für Pneumologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
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Publication History

Publication Date:
23 February 2017 (online)

 

Kasuistik:

Ein 63-jähriger Mann stellte sich mit sehr schwergradiger COPD zur Evaluation für eine Lungentransplantation vor. Im Rahmen der Listungsuntersuchungen erfolgte eine Koloskopie. Dabei fielen zahlreiche breitbasige und gestielte Polypen auf, von denen sechs mittels Elektroschlinge in einem Stück entfernt und geborgen wurden. Abschließend stellten sich die Wand- und Schleimhautverhältnisse unauffällig dar.

Kurz nach der Untersuchung imponierte das Skrotum deutlich geschwollen und das Abdomen prall. In der Notfall-CT bei Stimmveränderung kam eine ausgedehnte Luftansammlung intra- und retroperitoneal, skrotal, mediastinal, pleural und subkutan im Thorax- sowie Halsbereich zur Darstellung. Bei zunehmender Dyspnoe erfolgte eine vorübergehende intensivmedizinische Überwachung. In der Kontrollkoloskopie am gleichen Tag wurden makroskopisch keine Hinweise für eine Perforation gesehen. Im Verlauf waren die Befunde bei konservativem Vorgehen regredient.

Diskussion:

Kombiniertes Pneumoskrotum, -peritoneum, -retroperitoneum, -mediastinum und bilaterale Pneumothoraces sowie zervikales Hautemphysem stellen zusammen eine sehr seltene, schwere Komplikation einer Koloskopie mit multilokulärer Polypektomie dar. Die Wahrscheinlichkeit einer kolorektalen Perforation variiert mit der Art der Intervention: eine diagnostische Koloskopie wird mit 0,16% angegeben, eine therapeutische mit 0,44%. Hauptursachen stellen eine exzessive Luftinsufflation, mechanisches Trauma und unsachgemäße Anwendung eines Elektrokauters dar. Risikoerhöhende Faktoren sind höheres Alter, Multimorbidität und therapeutische Interventionen (Polypektomie, pneumatische Dilatation, endoskopische Mukosaresektion). In der Regel sind diese Komplikationen konservativ beherrschbar.