Pneumologie 2017; 71(S 01): S1-S125
DOI: 10.1055/s-0037-1598438
Freie Vorträge – Sektion Infektiologie und Tuberkulose
Ausgewählte Highlights der pneumologisch-infektiologischen Forschung – Sebastian R. Ott/Bern, Barbara Kalsdorf/Borstel
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Epidemiologie und Risikofaktoren der CAP im ambulanten und stationären Bereich: Eine Populations-basierte Kohortenstudie

M Kolditz
1  Bereich Pneumologie, Universitätsklinikum Dresden
,
F Tesch
2  Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (Zegv) an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden
,
L Mocke
2  Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (Zegv) an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden
,
G Höffken
3  Med. Klinik & Poliklinik I, Pneumologie, Universitätklinikum Carl Gustav Carus Dresden
,
S Ewig
4  Department of Respiratory and Infectious Diseases, Thoraxzentrum Ruhrgebiet, Evk Herne
,
J Schmitt
5  Institut und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin, Bereich Sozialmedizin und Versorgungsforschung, Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung
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Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
23.Februar 2017 (online)

 

Einleitung:

Verlauf und Prognose einer CAP sind variabel, aber epidemiologische Daten unter Einschluss ambulanter Patienten sind rar. Ziel dieser Studie war daher die Evaluation von Inzidenz, Hospitalisationsrate, 30-Tages-Gesamtletalität sowie Risikofaktoren für diese Ereignisse in einer großen Populations-basierten Kohorte in Deutschland.

Methoden:

Retrospektive Kohortenstudie unter Einschluss aller erwachsenen 2010 – 2011 durchgängig Versicherten der Krankenkasse AOK plus Sachsen (Abdeckung > 50% der sächsischen Bevölkerung). CAP wurde definiert via ICD-10 Code, ambulante Fälle validiert durch Antibiotikaverordnung innerhalb von 7 Tagen. Endpunkte waren Inzidenz, Hospitalisation und 30-Tages-Gesamtletalität. Evaluierte Risikofaktoren umfassten Alter, Geschlecht und chronische Komorbiditäten. Es erfolgte eine multivariate Regressionsanalyse adjustiert für „health care utilization“.

Results:

1.837.080 erwachsene Personen wurden eingeschlossen. Die CAP-Inzidenz betrug 9,7 pro 1000 Personenjahre (35 011 Fälle bei 32 007 Patienten), die Hospitalisationsrate 46,5%. Die 30-Tagesletalität ambulanter Fälle war 5% (davon 27% vor Tod hospitalisiert wegen einer anderen Diagnose). Die 30-Tagesletalität stationärer Fälle war 21,9% (davon im Krankenhaus verstorben 17,2%). Die Hauptursache für (Re-)Hospitalisation nach CAP vor Tod bis Tag 30 waren kardiale Erkrankungen. Risikofaktoren für CAP umfassten Alter, männliches Geschlecht und alle evaluierten Komorbiditäten, mit höchstem Risiko für neurologische (OR 2,4), pulmonale (OR 2,3) oder immunsuppressive (OR 2,1) Erkrankungen. Das Letalitätsrisiko war am höchsten bei neurologischer (OR 2,3) und maligner (OR 2,0) Grunderkrankung.

Schlussfolgerung:

CAP zeigt eine hohe Inzidenz und Letalität auch im ambulanten Bereich, wichtige Risikofaktoren sind Alter und Komorbiditäten. Präventive Maßnahmen sowie Kampagnen zur Wahrnehmung der Bedeutung einer CAP auch im ambulanten Bereich bei Patienten mit Risikofaktoren sind notwendig.