Pneumologie 2017; 71(S 01): S1-S125
DOI: 10.1055/s-0037-1598446
Posterbegehung – Sektion Klinische Pneumologie
Der interessante Fall I – Sven Gläser/Berlin, Barbara Wagener/Ballenstedt
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Unterschätztes Risiko – Influenza in Schwangerschaft und Wochenbett

N Lambrecht
1  Abteilung Pneumologie, Klinik für Innere Medizin I, Universitätsklinikum Halle (Saale)
,
I Reindl
1  Abteilung Pneumologie, Klinik für Innere Medizin I, Universitätsklinikum Halle (Saale)
,
H Rolke
1  Abteilung Pneumologie, Klinik für Innere Medizin I, Universitätsklinikum Halle (Saale)
,
I Bork
1  Abteilung Pneumologie, Klinik für Innere Medizin I, Universitätsklinikum Halle (Saale)
,
M Patrick
1  Abteilung Pneumologie, Klinik für Innere Medizin I, Universitätsklinikum Halle (Saale)
,
B Wollschläger
1  Abteilung Pneumologie, Klinik für Innere Medizin I, Universitätsklinikum Halle (Saale)
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
23 February 2017 (online)

 

Einleitung:

In Deutschland treten saisonale Grippewellen in der Regel nach dem Jahreswechsel auf. Schwangere und Wöchnerinnen haben ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe. Die ständige Impfkomission (STIKO) empfiehlt eine Impfung für Schwangere (RKI).

Kasuistiken:

Fall 1 – 2013: Eine 32-jährige Patientin wurde aufgrund einer schweren H1N1-Infektion übernommen. Die Patientin befand sich in der 30. Schwangerschaftswoche. Aufgrund der Beatmungspflichtigkeit und einer drohenden Lungenersatztherapie wurde die Schwangerschaft per sectionem beendet. Bei ARDS war eine extrakorporale Lungenersatztherapie notwendig. Es zeigten sich im Langzeitverlauf narbig-fibrosierende Veränderungen und Bronchiektasen in beiden Lungen.

Fall 2 – 2015: Eine 31-jährige Patientin wurde fünf Wochen nach komplikationsloser Entbindung aufgrund einer zunehmenden respiratorischen Verschlechterung übernommen. Es bestätigte sich eine Influenza A-Infektion. Die Patientin entwickelte ein schweres ARDS, sodass eine extrakorporale Lungenersatztherapie eingesetzt wurde. Es kam zu einer abzedierenden Superinfektion mit Staphylococcus aureus. Der Langzeitverlauf ist nicht bekannt. CT-morphologisch zeigte sich zum Entlassungszeitpunkt eine stark geschädigte Lunge mit einem Mischbefund aus tubulären und sackförmigen Bronchiektasen, sowie Kavernen.

Diskussion:

Eine Impfung gegen Influenza ist seit 2010 von der STIKO für Schwangere ab dem 2. Trimenon empfohlen. Dennoch zeigt sich eine Influenza-Impfrate der Schwangeren zwischen 20 – 25% (Bödeker 2014). Die hier vorgestellten Kasuistiken zeigen, wie schwer der Verlauf einer peripartalen Influenzainfektion sein kann.

Zusammenfassung:

Die ständige Impfkommission empfiehlt seit 2010 die saisonale Influenzaimpfung für Schwangere. Trotz der möglichen, schwerwiegenden Folgen einer peripartalen Influenzainfektion und der positiven, protektiven Effekte der Influenzaimpfung auf das Neugeborene ist die Influenza-Impfquote unter Schwangeren noch sehr gering. Weitere Aufklärungsarbeit ist notwendig.