Pneumologie 2017; 71(S 01): S1-S125
DOI: 10.1055/s-0037-1598462
Posterbegehung – Sektion Pneumologische Onkologie
Lungenkarzinom II – Jens Kollmeier/Berlin, Andreas Gröschel/Aachen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Gastrointestinale Perforationen als schwerwiegende Komplikation unter Therapie mit Tyrosinkinaseinhibitoren beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom

P Hoffknecht
1  Klinik für Pneumologie, Thoraxonkologie und Beatmungsmedizin, Mathias Spital Rheine
,
M Enderle
1  Klinik für Pneumologie, Thoraxonkologie und Beatmungsmedizin, Mathias Spital Rheine
,
A Papita
1  Klinik für Pneumologie, Thoraxonkologie und Beatmungsmedizin, Mathias Spital Rheine
,
R Keller
2  Klinik für Innere Medizin, Gastroenterologie, Mathias-Spital Rheine
,
U Steger
3  Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Mathias-Spita Rheine
,
N Dickgreber
1  Klinik für Pneumologie, Thoraxonkologie und Beatmungsmedizin, Mathias Spital Rheine
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
23 February 2017 (online)

 

Einleitung:

Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) sind etablierte Substanzen in der Therapie molekular definierter Subgruppen von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC). Sie weisen ein substanzgruppenspezifisches Nebenwirkungsprofil auf. Gastrointestinale Perforationen sind als seltene schwerwiegende Komplikation unter Therapie mit VEGF-Inhibitoren bekannt, gelten aber als Rarität unter Therapie mit TKI.

Fallserie:

Wir berichten über 4 Fälle von Perforationen des Magens (n = 2) bzw. Colons (n = 2) unter Behandlung mit unterschiedlichen TKI (Afatinib (n = 2), Crizotinib (n = 1), Alectinib (n = 1)) zwischen 2013 und 2016. Alle Patienten wurden notfallmäßig operiert und entwickelten ein septisches Krankheitsbild. Die beiden Patienten mit Colonperforation wurden mit einem dauerhaften Stoma versorgt. Ein Patient verstarb an den Folgen der Sepsis. Alle Fälle traten innerhalb der ersten drei Therapiemonate auf. Außer einer unterschiedlich intensiv erfolgten ulzerogenen Begleitmedikation (NSAR, Steroide) lagen keine prädisponierenden Risikofaktoren vor. Eine Perforation des Colon descendens trat unter Radiotherapie des Beckens und Therapie mit Afatinib (30 mg/die) nach zweiwöchiger Therapiedauer auf. Ein weiterer Fall mit Colon descendens Perforation ereignete sich unter Therapie mit Alectinib nach 3-monatiger Therapie. Bei zwei Pat. wurde die TKI-Therapie nach Restitutio und endoskopischer Kontrolle dosisreduziert fortgesetzt, in beiden Fällen ohne eine erneute Komplikation.

Schlussfolgerung:

Die Häufigkeit gastrointestinaler Perforationen unter TKI-Therapie erscheint möglicherweise unterschätzt und tritt auch ohne das Vorliegen anamnestischer Risikofaktoren – bevorzugt in den ersten Therapiemonaten – auf. In der Konsequenz sollte die Durchführung einer routinemäßigen endoskopischen Diagnostik vor Therapieeinleitung diskutiert werden.