Pneumologie 2017; 71(S 01): S1-S125
DOI: 10.1055/s-0037-1598522
Posterbegehung – Sektion Arbeitsmedizin, Epidemiologie, Umwelt- und Sozialmedizin
Allergisches Asthma bronchiale – berufsbedingt? Phänotyp des Lungenemphysems – Frank Hoffmeyer/Bochum, Cordula Bittner/Hamburg
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Asthma bronchiale als Berufskrankheit infolge einer Allergie auf Fische und Krustentiere – verzögerte Diagnostik mit anaphylaktischer Reaktion

A Kraft
1  Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
,
C Bittner
1  Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
,
V Harth
1  Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
,
AM Preisser
1  Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
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Publication History

Publication Date:
23 February 2017 (online)

 

Einleitung:

Die hochpotenten Allergene von Meerestieren können neben gastrointestinalen, Haut- und Atemwegsbeschwerden anaphylaktische Reaktionen auslösen. Wir berichten über einen Koch, der sich erstmals vor 3 Jahren wegen arbeitsplatzbezogener allergischer Beschwerden in ärztliche Behandlung begab, dennoch in 2016 eine Anaphylaxie am Arbeitsplatz entwickelte.

Material/Methoden:

Der 28-jährige Koch beklagte beim Zubereiten von Meerestieren eine Rhinokonjunktivitis und zeitweise Atemnot. Seit 3 Jahren hatte er auf ärztlichen Rat Handschuhe bei der Fischzubereitung getragen und Fischgerichte nicht mehr abgeschmeckt. Dennoch erlitt er eine Anaphylaxie. Unter antiasthmatischer Therapie der Stufe III (ICS mittlere Dosis, LABA) führte er seine Arbeit fort. Zur Tätigkeitsaufgabe wurde ihm zu dem Zeitpunkt nicht geraten. Erst im August 2016 stellte er sich zur Begutachtung bei uns vor. Wir führten Lungenfunktions- und allergologische Untersuchungen sowie einen arbeitsplatzbezogenen inhalativen Expositionstest (AIT) durch.

Ergebnisse:

Allergietests zeigten eine Typ I-Sensibilisierung gegen diverse Fisch- und Krustentierproteine. Das Bearbeiten von Kabeljau führte zu einer Kontakturtikaria. Während des Anbratens von Garnelen kam es zu Rhinokonjunktivitis, tieferen Atemwegsbeschwerden und ubiquitäres Hautjucken im Sinne einer anaphylaktischen Reaktion; die FEV1 sank um mehr als 20%, der sRt stieg um das 8-fache auf 9,6 kPa*s.

Schlussfolgerungen:

Fisch- und Krustentierallergien sind bei Köchen keine Seltenheit und die Entwicklung eines schweren allergischen Krankheitsbildes ist möglich. Im dargestellten Fall des hochqualifizierten Kochs eines à-la-Carte-Restaurants erwies sich die Expositionsmeidung von Fisch und Krustentier-Gerichten als unmöglich und der weitere berufliche Aufstieg war verhindert. Die Anerkennung der BK 4301 wurde empfohlen. Eine frühere Anzeige der BK hätte dem Koch Beschwerden erspart und die Umschulung hätte 3 Jahre früher initiiert werden können.