Pneumologie 2017; 71(S 01): S1-S125
DOI: 10.1055/s-0037-1598523
Posterbegehung – Sektion Arbeitsmedizin, Epidemiologie, Umwelt- und Sozialmedizin
Allergisches Asthma bronchiale – berufsbedingt? Phänotyp des Lungenemphysems – Frank Hoffmeyer/Bochum, Cordula Bittner/Hamburg
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Berufliche Allergie gegen Lipase aus Schweinepankreas

J Walther
1  Institut für Prävention und Arbeitsmedizin (Ipa) der Dguv Institut der Ruhr-Universität-Bochum
,
I Sander
1  Institut für Prävention und Arbeitsmedizin (Ipa) der Dguv Institut der Ruhr-Universität-Bochum
,
V van Kampen
1  Institut für Prävention und Arbeitsmedizin (Ipa) der Dguv Institut der Ruhr-Universität-Bochum
,
T Brüning
1  Institut für Prävention und Arbeitsmedizin (Ipa) der Dguv Institut der Ruhr-Universität-Bochum
,
M Raulf
1  Institut für Prävention und Arbeitsmedizin (Ipa) der Dguv Institut der Ruhr-Universität-Bochum
,
R Merget
1  Institut für Prävention und Arbeitsmedizin (Ipa) der Dguv Institut der Ruhr-Universität-Bochum
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Publication History

Publication Date:
23 February 2017 (online)

 

Hintergrund:

Eine 55-jährige Patientin mit bekannter saisonaler allergischer Rhinitis berichtete über neu aufgetretene, streng arbeitsplatzbezogene asthmatische Beschwerden bei Exposition gegenüber enzymhaltigen Stäuben in einem Prüflabor. Beschwerden bestanden beim Umgang mit den Enzympräparaten Subtilisin, einer bakteriellen Protease, und Pankreatin, das verschiedene Enzyme aus Schweinepankreas enthält. Auswärtige Allergietestungen ergaben Sensibilisierungen gegen Frühblüher- und Gräserpollen, nicht jedoch gegen α-Amylase. Die Patientin stellte sich in unserem Institut zur medizinischen Begutachtung vor.

Methoden:

Verschiedene kommerziell verfügbare Enzyme (Amylasen, Proteasen, Cellulasen) aus Bakterien- oder Schimmelpilzen wurden im Prick- und IgE-Test eingesetzt. Spezifisches IgE gegen Subtilisin und Pankreatin vom Arbeitsplatz der Patientin sowie gegen Lipase und α-Amylase Σ und Trypsin (Merck) aus Schweinepankreas wurden im Immunoblot und im CAP-FEIA getestet. Die Enzympräparationen wurden in CAP-Inhibitionsexperimenten sowohl an der Festphase als auch als Inhibitor eingesetzt.

Ergebnisse:

Prick- und IgE-Tests mit fungalen und bakteriellen Enzymen verliefen negativ. Im Serum der Patientin fanden sich hohe IgE-Konzentrationen (CAP Klasse 4 – 5) gegen alle Pankreasenzyme. Im IgE-Immunoblot zeigten Pankreatin, Lipase- und α-Amylase jeweils mehrere Banden. Pankreatin und Lipase inhibierten die IgE-Bindung an alle Festphase-gebundenen Pankreasenzyme nahezu vollständig, während Trypsin und α-Amylase die Bindung an Pankreatin und Lipase nur partiell inhibierten.

Schlussfolgerungen:

Die Beschwerden der Patienten lassen sich auf die Inhalation von Pankreatinstaub am Arbeitsplatz zurückführen. Aufgrund der eindeutigen Sensibilisierung und arbeitsbezogenen Beschwerden konnte auf einen Provokationstest verzichtet werden. Lipase ist für diese Patientin die hauptsächliche allergene Komponente des Pankreatins. Einschränkend ist anzumerken, dass es sich bei den getesteten Enzymen nicht um Reinpräparate handelte.