Pneumologie 2017; 71(S 01): S1-S125
DOI: 10.1055/s-0037-1598554
Posterbegehung – Sektion Klinische Pneumologie
COPD II – Timm Greulich/Marburg, Barbara Wagener/Ballenstedt
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Hohe Prävalenz obstruktiver Ventilationsstörungen bei jungen Erwachsenen in Deutschland

R Wiewrodt
1  Medizinische Klinik A, Schwerpunkt Pneumologie, Universitätsklinikum Münster
,
B Höpfner
2  Ethos gGmbH
,
C Aries
1  Medizinische Klinik A, Schwerpunkt Pneumologie, Universitätsklinikum Münster
,
AB Schulze
1  Medizinische Klinik A, Schwerpunkt Pneumologie, Universitätsklinikum Münster
,
LH Schmidt
1  Medizinische Klinik A, Schwerpunkt Pneumologie, Universitätsklinikum Münster
,
K Blackert
2  Ethos gGmbH
,
M Wencker
3  Conresp
,
FJF Herth
4  Thoraxklinik, University of Heidelberg, Department of Pneumology and Critical Care Medicine; Translational Lung Research Center (Tlrc), Member of the German Center for Lung Research (Dzl), Germany
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
23 February 2017 (online)

 

Hintergrund:

Aktuelle Studien belegen die hohe Prävalenz einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung in Deutschland für Personen über 40 Jahre. Die Prävalenz obstruktiver Ventilationsstörungen bei Erwachsenen unter 40 Jahren hingegen ist weniger gut belegbar, zumal die bisherigen Lungenfunktionsnormwerte nach EGKS 1983 für junge Erwachsene als weniger sensitiv gelten.

Methoden:

Das LuFuMobil ist ein mobiles Lungenfunktionslabor. Bis Ende 2015 wurden bei 226 deutschlandweiten Veranstaltungen Messungen durchgeführt. Das Protokoll umfasst einen elektronischen Fragebogen und eine Spirometrie (Fa. Geraterm). Primäres Ziel war die deutschlandweite Bestimmung der Prävalenz obstruktiver Ventilationsstörungen nach EGKS 1983 (FEV1/FVC < 0,7 oder FEV1 < 80% Sollwert) und Quanjer 2012 (FEV1 > LLN oder FEV1/FVC < LLN).

Ergebnisse:

Bei 18152 volljährigen Personen lag ein vollständiger Datensatz vor (Alter (MW) 62,1 Jahre, Spanne 18 – 98J, 54,2% weiblich). 2419 Personen (13,3%) hatten eine bereits diagnostizierte Lungenerkrankung. Bei Personen ohne vorbekannte Lungenerkrankung (n = 15.733) wurde bei 19,5% (EGKS) bzw. 15,1% (Quanjer) eine obstruktive Ventilationsstörungen gemessen. Mit EGKS-Kriterien stieg die Rate altersabhängig deutlich an: von 9,1% bei Personen unter 30 Jahren, 9,7% (30- < 40J), 11,6% (40- < 50J), 16,1% (50- < 60J) auf 23,2% im Alter über > 60J (p < 0,0001). Mit Quanjer-Normwerten hingegen sinkt die Obstruktivenrate im Alter, bei Nierauchern (n = 8041) sogar signifikant (p < 0,005). Raucher waren häufiger obstruktiv, unabhängig von EGKS bzw. Quanjer: Nieraucher 15,9 bzw. 11,5% vs. Jemalsraucher 23,3% bzw. 18,9%; p < 0,0001.

Schlussfolgerung:

Bei jedem zehnten Erwachsenen unter 40 Jahre ohne vorbekannte Lungenerkrankung wird unabhängig vom Rauchstatus eine obstruktive Ventilationsstörung beobachtet. Mit den neuen Referenzwerten nach Quanjer 2012 werden bei jüngeren Erwachsenen noch höhere Raten abklärungswürdiger obstruktiver Ventilationsstörungen detektiert.