Pneumologie 2017; 71(S 01): S1-S125
DOI: 10.1055/s-0037-1598557
Posterbegehung – Sektion Klinische Pneumologie
Pneumologische Diagnostik – Carl-Peter Criée/Bovenden-Lenglern, Michael Pfeifer/Donaustauf und Regensburg
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Pneumomediastinum: spontan oder symptomatisch? Eine radiologische Differenzierung

T Kyriss
1  Abteilung Thoraxchirurgie, Robert-Bosch-Krankenhaus, Klinik Schillerhoehe
,
G Friedel
1  Abteilung Thoraxchirurgie, Robert-Bosch-Krankenhaus, Klinik Schillerhoehe
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Publication History

Publication Date:
23 February 2017 (online)

 

Zielsetzung:

Es gibt zwei Varianten des Pneumomediastinums (PM). Die symptomatische Form ist mit penetrierenden Verletzungen des Tracheobronchialbaumes oder des Oesophagus assoziiert. Die harmlose spontane Form hingegen entsteht durch Ruptur von Alveolen entlang der Gefäßscheiden von im Lungengewebe liegenden Ästen der Pulmonalarterie. Die Unterscheidung der beiden Formen ist klinisch relevant, da Diagnostik und Therapie verschieden sind.

Methode:

Anamnestische und klinische Daten sowie Computertomografien des Thorax von prospektiv erfassten Patienten mit spontanem bzw. symptomatischem PM wurden gegenübergestellt.

Ergebnis:

Bei 9 Patienten mit Trachealverletzungen bzw. 7 Patienten mit traumatisch bedingten Lungenlazerationen konnte zwar Luft im Mediastinum und in den Weichteilen, aber keine Luft entlang der Pulmonalarterienäste nachgewiesen werden.

Bei 11 Patienten mit spontanem PM ohne tracheobronchiale Verletzung oder Lungenlazerationen konnte computertomographisch zusätzlich zur Luft im Mediastinum auch Luft entlang der Pulmonalarterien nachgewiesen werden (sog. Macklin-Effekt).

Schlussfolgerung:

Experimentelle Untersuchungen wiesen bereits früher auf einen Ventilmechanismus zwischen Lungenparenchym und Mediastinum hin. Die vorliegenden klinisch-radiologischen Befunde scheinen dies zu bestätigen. Ein Übertritt von freier Luft aus der Lunge entlang der Gefäßscheiden in das Mediastinum ist möglich, während der umgekehrte Weg scheinbar nicht offen steht.

Dies bestätigt, dass es sich beim spontanen PM um eine eigenständige Erkrankung handelt. Das spontane PM kann anhand computertomographischer Kriterien sicher von der symptomatischen Form des PMs abgegrenzt werden. Bei Patienten mit spontanem PM könnten damit unnötige Untersuchungen und Therapien vermieden werden.