Pneumologie 2017; 71(S 01): S1-S125
DOI: 10.1055/s-0037-1598581
Posterbegehung – Sektion Rehabilitation, Prävention und Tabakkontrolle
Tabakkontrolle, Psychologie und Rehaerfolg – Heike Buhr-Schinner/Schönberg, Ralf Schipmann/Bad Lippspringe
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Erfassung von Angst bei COPD – Faktorielle Validität und Messinvarianz über die Zeit des Generalized Anxiety Disorder Questionnaire (GAD-7)

J Schenk
1  Abteilung für Medizinische Psychologie und Psychotherapie, Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaften, Universität Würzburg
,
D Jelusic
2  Klinik Bad Reichenhall der Drv Bayern Süd
,
M Wittmann
2  Klinik Bad Reichenhall der Drv Bayern Süd
,
K Schultz
2  Klinik Bad Reichenhall der Drv Bayern Süd
,
M Schuler
1  Abteilung für Medizinische Psychologie und Psychotherapie, Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaften, Universität Würzburg
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Publication History

Publication Date:
23 February 2017 (online)

 

Hintergrund:

Klinisch relevante Angst ist eine häufige Komorbidität von COPD. Zur Erfassung und Verlaufsmessung von Angst hat sich in den letzten Jahren diagnoseübergreifend der GAD-7 (Spitzer et al, 2006) etabliert. Voraussetzung dafür sind Eindimensionalität und Messinvarianz über die Zeit. Beide psychometrische Parameter sind für COPD-Patienten bislang unbekannt und sollen in dieser Studie geprüft werden.

Methode:

Die Daten dieser Sekundäranalyse stammen aus der RIMTCORE-Studie (Schultz et al., submitted). N = 561 (65,4% weiblich, Durchschnittsalter 57,6 Jahre (SD = 7,2), 50,1% GOLD-2, 39,8% GOLD-3, 10,2% GOLD-4) COPD-Patienten mit COPD füllten zu Beginn und am Ende einer stationären pneumologischen Rehabilitation den GAD-7 aus. Psychometrische Analysen wurden mittels konfirmatorischer Faktorenanalysen durchgeführt.

Ergebnisse:

Ein Modell mit eindimensionaler Struktur erbrachte unzureichende Fit-Werte (χ2= 126,2, df = 14, p < 0,001; CFI = 0,950, RMSEA = 0,120). Das Zulassen von Residualkorrelationen zwischen den Items 2 (Sorgen nicht kontrollieren können) und 3 (übermäßige Sorgen) sowie zwischen Item 4 (Schwierigkeiten zu entspannen) und Item 5 (Rastlosigkeit) führte zu deutlich besseren Modellfits (χ2= 36,0, df = 12, p = 0,003; CFI = 0,989, RMSEA = 0,060). Für das veränderte Modell konnten konfigurale, metrische, skalare und strikte Invarianz bestätigt werden.

Diskussion:

Die Eindimensionalität des GAD-7 bei COPD konnte nicht bestätigt werden. Sorgen und Rastlosigkeit scheinen bei COPD-Patienten nicht nur von einem latenten Faktor „Ängstlichkeit“ bestimmt zu sein. Hohe Werte im GAD-7 bei COPD-Patienten könnten somit nicht (nur) auf übertriebene Sorgen/Ängste hindeuten, sondern könnten angemessene Reaktionen auf eine reale Gesundheitsbedrohung (progredienter Verlauf der COPD) darstellen. Vergleiche von COPD-Patienten mit anderen Population im GAD-7 sind daher problematisch. Da die Messinvarianz jedoch gegeben ist, können Verlaufsmessungen innerhalb von COPD-Patienten vorgenommen werden.