Geburtshilfe Frauenheilkd 2017; 77(04): 379-395
DOI: 10.1055/s-0037-1600063
Abstracts
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Fallbereicht einer postpartalen zerebralen Angiopathie

C Müller
1   Klinikum Stuttgart, Frauenklinik, Stuttgart, Deutschland
,
K Heck
1   Klinikum Stuttgart, Frauenklinik, Stuttgart, Deutschland
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Publication History

Publication Date:
06 April 2017 (online)

 

Einleitung:

Eine postpartale zerebrale Angiopathie kann durch akute Kopfschmerzen, Sehstörungen, epileptische Anfälle und Wesensveränderungen gekennzeichnet sein. Sie tritt gehäuft im Zusammenhang mit hypertensiven Krisen auf und ist meistens reversibel. Neben der typischen Klinik ist vor allem die Bildgebung entscheidend für die Diagnosestellung.

Fallvorstellung mit klinischen Symptomen:

Bei einer 36-jährigen I Gravida erfolgte bei schwerer Präeklampsie mit eskalierenden Blutdrücken nach abgeschlossener Lungenreife die primäre Sectio in der 32+6 SSW. Am Folgetag zeigte die Patientin eine verwaschene Sprache und Wesensveränderungen, so dass bei ödematösen Kortexveränderungen im CT und initial Va PRES-Syndrom (posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom) eine Verlegung auf unsere Intensivstation erfolgte.

Diagnostik und Therapie:

Im Narkose-MRT konnte eine rechtsseitige kortikale Ischämie bei deutlicher Flussbeschleunigung und Vasospasmen der A. cerebri media nachgewiesen werden. Es erfolgte eine iv-Therapie mit Nimodipin, worunter sich die Beschwerdesymptomatik langsam besserte. Die Entlassung erfolgte schließlich mit der Diagnose einer postpartalen zerebralen Angiopathie mit Vasospasmen nach regelrechter Abschlussuntersuchung. Eine erneute MRT Kontrolle nach drei Monaten zeigte einen kompletten Rückgang der Symptomatik.

Diskussion:

Eine postpartale zerebrale Angiopathie kann eine seltene jedoch lebensbedrohliche Komplikation einer Gestose darstellen. Bei klinischem Verdacht im Wochenbett ist ein zügiger Beginn diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen entscheidend um das postnatale Management zu optimieren.