Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604515
Symposien
S-04 Achtsamkeitsübungen in der Suchttherapie und -prävention: Forschungsverbund IMAC-Mind (BMBF)
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion in der Schwangerschaft: Mögliche Strategie in der Suchtprävention?

B Lenz
1  Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Psychiatrische und Psychotherapeutische Klinik
,
A Eichler
2  Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit
,
H Heinrich
2  Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit
,
S Kehl
3  Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Frauenklinik
,
PA Fasching
3  Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Frauenklinik
,
J Kornhuber
1  Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Psychiatrische und Psychotherapeutische Klinik
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
08 August 2017 (online)

 

Einleitung:

Entspannungstraining während der Schwangerschaft verbessert die prä- und perinatale Gesundheit der Mütter und ihrer Kinder (u.a. weniger stationäre Aufnahmen und Geburtskomplikationen, höheres Geburtsgewicht). Erste Studien deuten eine Verbindung von höherem maternalen Stress während der Schwangerschaft mit höherer intrauteriner Androgenexposition des ungeborenen Kindes an (Biomarker: kleineres relatives Zeige-/Ringfingerlängenverhältnis [2D:4D]). Eine höhere pränatale Androgenlast (kleineres 2D:4D) ist wiederum mit einem gesteigerten Risiko für spätere substanzgebundene und substanzungebundene Suchterkrankungen sowie andere psychische Erkrankungen assoziiert. Stressreduktion während der Schwangerschaft könnte daher durch Modulation der intrauterinen Androgenlast das Risiko für Suchterkrankungen im späteren Leben vermindern. Aus den derzeit verfügbaren Studien lässt sich jedoch nicht ableiten, ob die oben beschriebenen Zusammenhänge kausal sind. Damit bleibt unklar, ob sich diese tatsächlich zur Etablierung eines präventiven Ansatzes eignen.

Methodik und Ergebnisse:

Im Kontext des IMAC-Mind Netzwerkes (Improving Mental Health and Reducing Addiction in Childhood and Adolescence through Mindfulness: Mechanisms, Prevention and Treatment) soll in diesem Forschungsprojekt ein 15-wöchiges, kombiniertes online-App-basiertes und direktes, achtsamkeitsorientiertes, verhaltenstherapeutisches Programm zur Verminderung von Stress sowie Alkohol- und Tabakkonsum bei schwangeren Frauen etabliert werden und dessen Wirksamkeit zur Reduktion intrauteriner Androgenlast beim ungeborenen Kind in einem kontrollierten Studiendesign untersucht werden. Die pränatale Androgenlast soll mit mehreren Biomarkern (u.a. 2D:4D) gemessen werden. Außerdem soll erforscht werden, ob das achtsamkeitsorientierte, verhaltenstherapeutische Programm die Selbstregulation, die postnatale Entwicklung und die psychische Gesundheit der Säuglinge verbessern kann.

Schlussfolgerung:

Bei erfolgreicher Validierung des achtsamkeitsorientierten, verhaltenstherapeutischen Programms ergeben sich Ansätze für weiterführende longitudinale Studien und wichtige Implikationen zur Prävention von Suchterkrankungen.