Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604519
Symposien
S-05 Aspekte der Versorgung Suchtkranker
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Von Überlebenshilfe zu besserer Lebensqualität: Teilhabeförderung für Drogenabhängige mit komplexen Problemlagen nach qualifizierter Akut-/Entzugsbehandlung in der klinischen Suchtpsychiatrie

T Kuhlmann
1  Psychosomatische Klinik Bergisch Gladbach
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Publication Date:
08 August 2017 (online)

 

Einleitung:

Das Konzept der stationären qualifizierten Akut-/Entzugsbehandlung für Drogenabhängige (QA/QE) integriert stets Entzugsbehandlung, Motivationsförderung und die Option, ein möglichst nahtlos verfügbares, adäquates Hilfsangebot nutzen zu können. Menschen mit komplexen Problemlagen werden mit QA/QE zunehmend gut erreicht bei guter Vernetzung dieses Angebotes in der Region. Die Entwicklung des Bedarfs adäquater Hilfsangebote und deren Verfügbarkeit nach QA/QE-Behandlung in der Klinik bei chronisch Drogenabhängiger mit ausgeprägten psychiatrischen und/oder somatischen Komorbiditäten wird im Folgenden dargestellt.

Methodik:

Analysiert werden Behandlungstrends der Psychosomatischen Klinik Bergisch Gladbach (PSK) mit über 1250 jährlichen Entgiftungsbehandlungen. Am Beispiel von Patienten mit chronischer Drogenabhängigkeit, ausgeprägten psychiatrisch behandlungsbedürftigen Störungen und/oder ausgeprägten somatischen Störungen wird untersucht, wie diese Zielgruppe und deren Bedarf an entsprechenden wohnortnahen verfügbaren Hilfsangeboten (Plätze in Soziotherapeutischen Wohnheimen) unmittelbar nach Abschluss der QA/QE sich in den letzten acht Jahren entwickelt hat.

Ergebnisse:

Seit 2009 ergab sich eine deutlich rückläufige Verlegungsquote zusammen mit einer rückläufigen Zahl frei werdender Plätze, also einer erheblich gestiegenen Verweildauer der Betroffenen in den Wohnheimen. Vermittlungsbedarf i.S. d. Notwendigkeit einer zeitnahen Verfügbarkeit entsprechender Hilfsangebote zur Sicherung des Behandlungsangebots bestand im Jahr 1999 für 10 Personen pro Jahr, im Jahre 2002 für 15 und im Jahr 2016 für über 25 Personen (eigene Statistiken). Eine zunehmende Zahl dieser Patienten konnte nur in überregionale Einrichtungen sowie gar nicht nahtlos bzw. kurzfristig weitervermittelt werden.

Schlussfolgerung:

Bei gestiegener Lebensdauer, fortschreitender Chronifizierung chronisch Drogenabhängiger mit psychiatrischen und/oder somatischen Störungen und verbesserter Erreichbarkeit dieser Zielgruppen wächst der Bedarf an zeitnah verfügbaren Hilfsangeboten nach Abschluss der QA/QE. Die aktuelle Entwicklung führt zu erschwerter wohnortnaher, nachstationärer Unterstützung dieser Zielgruppen sowie zunehmender Suche und Inanspruchnahme überregionaler Hilfsangebote und ist Ausdruck einer problematischen Tendenz, die Ziel von Versorgungsforschung werden sollte: Gestiegene Lebensdauer chronisch Drogenabhängiger bei erschwerten Teilhabechancen und damit zunehmender Ausgrenzung.