Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604560
Symposien
S-15 Sucht und Migration
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Menschen mit Migrationshintergrund in der Hamburger ambulanten Suchthilfe in den Jahren 2005 bis 2016

MS Martens
1  Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg (ZIS)
,
E Neumann-Runde
1  Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg (ZIS)
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Publication Date:
08 August 2017 (online)

 

Zum 31.12.2015 lebten in Hamburg fast 600.000 Menschen mit Migrationshintergrund. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund stieg von knapp 27% im Jahre 2005 auf 33% in 2015. Der Anteil der hamburgischen Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist in der Altersgruppe der unter 18-Jährigen mit 49% am höchsten. Auch wenn die Gruppe der Bevölkerung mit Migrationshintergrund als stark heterogen einzustufen ist, kommt die Gesundheitsberichterstattung des Bundes 2015 unter anderem zu dem Schluss, dass Menschen mit Migrationshintergrund eine schlechtere seelische Gesundheit aufweisen, weniger Alkohol trinken und Gesundheitsleistungen seltener nutzen als Menschen ohne Migrationshintergrund. Vor diesem Hintergrund wird die Inanspruchnahme der ambulanten Suchthilfe in Hamburg durch Klientinnen und Klienten mit Migrationshintergrund untersucht. Im Datensatz der Hamburger Basisdatendokumentation für die Suchthilfe wird seit 2005 systematisch zu jeder Betreuung auch der Migrationshintergrund der Klientin/des Klienten erfasst. Über ein Klientenpseudonym lassen sich Betreuungen, die sich auf gleiche Personen beziehen, identifizieren und Auswertungen auf Personenebene vornehmen. Im Jahr 2005 hatten 18% der Klientinnen und Klienten in der ambulanten Suchthilfe einen Migrationshintergrund. Dieser Anteil stieg kontinuierlich auf 30% im Jahr 2016. Die weibliche Klientel weist mit 21% deutlich seltener einen Migrationshintergrund auf als die männliche mit 33%. In diesem Beitrag gehen wir der Frage nach, wie sich die Gesamtgruppe der Klientinnen und Klienten mit Migrationshintergrund in der Hamburger Suchthilfe durch ihre Inanspruchnahme, Suchtproblematik, psychischen und gesundheitlichen Belastungen und soziodemografischen Faktoren beschreiben lässt und inwieweit sich hierdurch spezifische Bedarfe ableiten lassen.