Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604574
Symposien
S-19 Faktoren für die Entwicklung und soziale Auswirkungen von Glücksspielsucht
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Glücksspielen und Geld: Der Einfluss individueller Einstellungen zu Geld auf das Spielverhalten junger Männer

P Sleczka
1  BAS Bayrische Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen
,
B Grüne
2  IFT Institut für Therapieforschung, München; München
,
L Kraus
2  IFT Institut für Therapieforschung, München; München
3  SoRAD Centre for Social Research on Alcohol and Drugs, Stockholm
,
B Braun
2  IFT Institut für Therapieforschung, München; München
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
08 August 2017 (online)

 

Einleitung:

Die inhaltliche Analyse der DSM-5 Diagnosekriterien für eine Störung durch Glücksspielen (GD) zeigt, dass die Thematik Geld bei vier von neun Kriterien eine Rolle spielt (American Psychiatric Association, 2013). Im Kontext des Glücksspielens kann Geld als primärer Motivator verstanden werden (Neighbors et al., 2002), welcher vor allem bei niederen Einkommensschichten gravierenden Einfluss auf das Spielverhalten haben kann (Tabri et al., 2015). Um Verluste auszugleichen, kann sich ein dringendes Bedürfnis zum Weiterspielen mit immer höheren Wetteinsätzen, das so genannte „Chasing“, entwickeln (APA, 2013). Folglich geht die Diagnose Störung durch Glücksspielen meist mit einer hohen Verschuldung der Betroffenen einher (Braun et al., 2013; Meyer, 2016). Die zentrale Rolle der Geldthematik bei Glücksspielenden ist bereits wohl etabliert. Ob sich auch zwischen spezifischen Spielergruppen Unterschiede in Bezug auf die Einstellung zu Geld ergeben, soll durch die vorliegende Studie geklärt werden.

Methodik:

Die Analysen erfolgten auf Basis einer Online-Studie zur Erfassung von Spielercharakteristika und Entwicklungen des Spielverhaltens bei 18- bis 25-jährigen Männern (Münchener Freizeit Studie), an der insgesamt n = 2.739 Männer teilnahmen (Sleczka et al., 2016). Erhoben wurden unter anderem sozioökonomische Faktoren, Spielverhalten, Symptome von GD, Glücksspielmotive und die Einstellung zu Geld (Kurz-Fragebogen „Einstellung zu Geld“ mit drei Skalen: „Erfolg“, „Haushalten“, „Übel“; Sleczka et al., in Vorbereitung). Gruppenunterschiede in Bezug auf die Einstellung zu Geld zwischen den Gruppen „Kein Glücksspielen“ (n = 1.343), „Unproblematisches Glücksspielen“ (n = 1.169), „Problematisches Glücksspielen“ (1 – 3 erfüllte DSM-5-Kriterien, n = 120) und „Störung durch Glücksspielen“ (Diagnose GD, n = 44) wurden mittels Varianzanalysen untersucht. Zudem wurde eine Analyse von Zusammenhängen der Einstellung zu Geld zu anderen Variablen, z.B. Motive für Glücksspielen, vorgenommen.

Ergebnisse:

Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass es signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Spielergruppen in Bezug auf die drei Skalen des Kurz-Fragebogens „Einstellung zu Geld“ gibt. Die Gruppen „Problematisches Glücksspielen“ und „Störung durch Glücksspielen“ zeigten höhere Scores auf der Skala „Erfolg“ als die übrigen Spielergruppen. Außerdem wiesen sie niedrigere Werte auf der Skala „Haushalten“ auf als die Gruppen „Unproblematisches“ oder „Kein Glücksspielen“.

Schlussfolgerung:

Offenbar geht ein problematisches oder pathologisches Glücksspielverhalten mit eher erfolgsorientierten Einstellungen zu Geld einher. Möglicherweise spiegelt sich darin die Hoffnung wider, dass Glücksspielen eine Option für sozioökonomischen Aufstieg sein könnte. Fraglich ist, ob verschiedene geldspezifische Einstellungsmerkmale für die Entwicklung einer Störung durch Glücksspielen eine Rolle spielen oder aber problematisches Glücksspielen selbst zu einer Einstellungsänderung zu Geld führt.