Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604591
Symposien
S-24 Traumatisierung und Sucht – Zusammenhänge und therapeutische Perspektiven
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Veränderungen der Stressreaktivität bei frühen traumatischen Erfahrungen und Alkoholabhängigkeit

I Schäfer
1  Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
,
A Höcker
1  Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
,
J Holl
2  Universität Heidelberg
,
S Wolff
2  Universität Heidelberg
,
S Barnow
2  Universität Heidelberg
,
K Wiedemann
1  Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
,
M Mühlhan
3  Medical School Hamburg (MSH)
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
08 August 2017 (online)

 

Einleitung:

Missbrauch und Vernachlässigung in der Kindheit tragen zu einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Suchtproblemen im Erwachsenenalter bei. Dabei könnte einer veränderten Reaktivität der neuroendokrinen Stressreaktion eine Rolle als möglicher Mediator zukommen. Um dieser Frage nachzugehen wurde die Stressreaktivität bei alkoholabhängigen Patienten mit und ohne frühe Traumatisierungen sowie bei einer gesunden Kontrollgruppe anhand verschiedener Parameter untersucht.

Methodik:

Es wurden alkoholabhängige Patienten mit (C+A+; N = 29) und ohne frühe Traumatisierung (C-A+; N = 33) sowie gesunde Kontrollprobanden mit (C+A-; N = 30) und ohne frühe Traumatisierung (C-A-; N = 38) untersucht. Die vorliegende Analyse konzentriert sich auf Reaktionen auf eine psychosoziale Stimulationsbedingung (Trierer Sozial Stress Tests; TSST), u.a. gemessen anhand der Speichel-Alphaamylase (sAA).

Ergebnisse:

Alkoholabhängige Patienten zeigten eine signifikant niedrigere sAA-Antwort auf sozialen Stress als gesunde Kontrollen. In Bezug auf subjektive Stress- und Angstreaktionen zeigte sich ein davon abweichendes Befundmuster und es fanden sich klare Effekte früherer Traumatisierungen. Die größten Unterschiede wurden über alle subjektiven Ratings hinweg zwischen alkoholabhängigen Probanden mit und ohne frühe Traumatisierungen gefunden.

Schlussfolgerung:

Die Diskrepanz zwischen physiologischer Reaktivität und subjektiven Reaktionen könnte Defizite von Personen mit frühen Traumatisierungen widerspiegeln, mit belastenden Situationen umzugehen, die auch eine Bedeutung für die Rückfallgefährdung bei Patienten mit Alkoholabhängigkeit und frühen Traumatisierungen haben könnte.