Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604596
Symposien
S-25 Problematischer Alkoholkonsum im Kindes- und Jugendalter
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Sweet Sixteen? Legales Erwerbsalter und Alkoholkonsum in Deutschland

S Tomczyk
1  Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung, IFT-Nord gGmbH
,
B Isensee
1  Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung, IFT-Nord gGmbH
,
R Hanewinkel
1  Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung, IFT-Nord gGmbH
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
08. August 2017 (online)

 

Einleitung:

Alkoholkonsum im Jugendalter wird in Deutschland seit langer Zeit kontrovers diskutiert. Denn neben positiv konnotierten sozial-adaptiven Funktionen wird Alkoholkonsum auch ein erhöhtes Risiko für kurz- und langfristige Schädigungen zugeschrieben; dies gilt insbesondere für riskante Konsumformen wie Rauschtrinken. Ansätze der Verhältnisprävention, wie das Anheben des legalen Erwerbsalters für Alkohol auf 21 Jahre, führen nachweislich zu einer Reduktion alkoholbedingter Unfälle bei jungen Menschen. In Deutschland können Alkoholika wie Bier oder Wein jedoch bereits ab 16 Jahren erworben werden. Anhand einer Stichprobe deutscher Jugendlicher soll nun untersucht werden, ob im Übergang vom 15. zum 16. Lebensjahr ein Anstieg des riskanten Alkoholkonsums – und damit des Risikos für alkoholbedingte Folgeschäden – zu beobachten ist.

Methodik:

1.490 Jugendliche (55,2% weiblich) zwischen 15 und 16 Jahren wurden zu zwei Zeitpunkten (4. Quartal 2015 und 2. Quartal 2016) zu ihrem Alkoholkonsum (u.a. Häufigkeit des Konsums und des Rauschtrinkens, problematischer Konsum mittels Screening-Verfahren BASIC und CRAFFT-d) befragt. Die Veränderung des Konsumverhaltens wurde in Abhängigkeit des Alters betrachtet, zugleich wurden zentrale Kovariaten wie Geschlecht, Alkoholkonsum der Freunde und sozioökonomischer Status statistisch kontrolliert.

Ergebnisse:

Insgesamt war ein Anstieg der Häufigkeit des Konsums und des Rauschtrinkens festzustellen, dabei zeigten sich signifikante Interaktionen mit dem Alter. Für Jugendliche, die im Laufe der Erhebungen 16 Jahre alt wurden, war im Vergleich zu solchen, die zu beiden Zeitpunkten 15 Jahre alt waren, ein stärkerer Anstieg des Alkoholkonsums zu beobachten. Der Konsum in der erstgenannten Altersgruppe war zum zweiten Zeitpunkt vergleichbar mit dem Konsum Jugendlicher, die zu beiden Zeitpunkten 16 Jahre alt waren.

Schlussfolgerung:

In Einklang mit Repräsentativerhebungen zeigt sich im Längsschnitt ebenfalls ein besonders starker Anstieg des Alkoholkonsums zwischen dem 15. und dem 16. Lebensjahr. Diese Zunahme bleibt signifikant, wenn der Einfluss zentraler Kovariaten kontrolliert wird. Daher ist zu vermuten, dass die erhöhte Verfügbarkeit von Alkohol in dieser Altersgruppe den erhöhten Konsum mit bedingt. Dies konnte auch für riskante Konsumformen wie Rauschtrinken beobachtet werden. Mithin sollten Jugendliche in dieser Lebensphase gezielt adressiert und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol angeregt werden.