Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604607
Symposien
S-28 Symposium der Nachwuchsgruppe der DG-Sucht
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Strukturelle und funktionelle neuronale Konnektivität bei Personen mit Alkoholgebrauchsstörung ohne Behandlungswunsch

S Gerhardt
1  Technische Universität Dreden
2  Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Medizinische Fakultät Mannheim/Universität Heidelberg
,
F Kiefer
2  Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Medizinische Fakultät Mannheim/Universität Heidelberg
,
K Mann
2  Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Medizinische Fakultät Mannheim/Universität Heidelberg
,
S Vollstädt-Klein
2  Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Medizinische Fakultät Mannheim/Universität Heidelberg
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
08 August 2017 (online)

 

Einleitung:

Bei Personen mit einer Alkoholgebrauchsstörung wurden bereits mehrere funktionelle neuronale Ruhenetzwerke identifiziert. Ihr Zusammenhang mit zugrunde liegenden, strukturellen Faserverbindungen ist jedoch wenig erforscht. In dieser Studie wird der Zusammenhang zwischen der funktionellen und strukturellen Konnektivität bei Personen mit einer Alkoholgebrauchsstörung ohne Behandlungswunsch mittels funktioneller Magnetresonanztomografie im Ruhezustand (rsfMRI) und Diffusionstensorbildgebung (DTI) untersucht. Bekannte Ruhenetzwerke sollten dabei reliabel durch die Anwendung einer Independent Component Analyse (ICA) identifizierbar sein. Zudem sollten ähnliche Muster von funktioneller und struktureller neuronaler Konnektivität erkennbar werden. Eine geringere FA und auch eine Veränderung des funktionellen Netzwerks sollten im Zusammenhang mit der Schwere der Alkoholgebrauchsstörung und Trinkmenge stehen.

Methodik:

Es wurden Personen mit einer Alkoholgebrauchsstörung nach DSM-5 ohne Behandlungswunsch und mit aktuell starkem Konsum eingeschlossen. Neben Fragenbögen wie dem Alcohol Use Disorders Identification Test (AUDIT) und der Alcohol Dependence Scale (ADS) wurden rsfMRI und DTI [Fraktionale Anisotropie (FA) als Maß] erhoben. Bekannte Ruhenetzwerke werden mittels der ICA erfasst. Resultierende Komponenten der Netzwerke dienen folgend als Ausganspunkte für die Berechnung der Faserverbindungen (deterministisches Fiber-tracking) unter Anwendung der GIFT toolbox. Veränderungen in strukturellen und funktionellen Faserverbindungen werden miteinander verglichen und zudem mit der Schwere der Alkoholgebrauchsstörung und der Trinkmenge korreliert.

Ergebnisse:

Es sind verwertbare Daten von 18 Personen vorhanden [12 Männer; 6,4 (± 1,4) von 11 der DSM-5 Kriterien; 76,9 (± 52) Gramm Alkohol pro Tag; Summenwert 17,2 (± 5,8) im AUDIT und 8,7 (± 4,4) auf der ADS]. Vorläufige Analysen der funktionellen Daten zeigen identifizierbare Ruhenetzwerke wie beispielsweise eine präfrontal-limbische Kopplung.

Schlussfolgerung:

Die Kombination von DTI und rsfMRI erlaubt einen tiefergehenden Einblick in die neuronalen Konnektivitäten und ermöglicht so weitreichendere Aussagen in Bezug auf (pathologische) Veränderungen im Zusammenhang mit klinischen Variablen.