Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604629
Symposien
S-33 Biofeedbackgestützte Behandlungsansätze bei Suchterkrankungen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Quantitatives EEG und Neurofeedback in der Suchtbehandlung

M Kuderer
1  Anton Proksch Institut, Wien
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Publication Date:
08 August 2017 (online)

 

Einleitung:

Suchterkrankungen sind durch eine multifaktorielle Ätiologie und zahlreiche Komorbiditäten gekennzeichnet. Vor dem Hintergrund dieser Komplexität sind innovative therapeutische Maßnahmen unter Berücksichtigung biologischer und psychologischer Aspekte gefordert. Auf physiologischer Ebene tritt bei chronischem Substanzabusus als auch beim Entzug und Craving eine Dysregulation des autonomen und des zentralen Nervensystems auf. Dabei kommt es auch zu spezifischen Veränderungen in der bioelektrischen Hirnaktivität. Diese abweichenden Gehirnstrommuster können mithilfe des quantitativen Elektroenzephalogramms (qEEG) sichtbar und messbar gemacht werden.

Methodik:

Das qEEG ist ein bildgebendes Verfahren, bei dem die EEG-Grundaktivität computergestützt in ihre Einzelfrequenzen zerlegt und grafisch in Form von Brainmaps dargestellt wird. Durch einen Abgleich mit Normdatenbanken ist einerseits eine diagnostische Zuordnung zu neuropsychiatrischen Krankheitsbildern möglich, andererseits liefern die erhaltenen Daten die Basis für adäquate neuromodulative Maßnahmen. Auf der Grundlage des operanten Konditionierens erlaubt zum Beispiel Neurofeedback als nicht-invasive Therapieform die gezielte Regulation dysfunktionaler Parameter innerhalb cerebraler Frequenzmuster.

Ergebnisse:

Im Kontext der Suchtbehandlung sind positive klinische Auswirkungen von unterschiedlichen Neurofeedback-Methoden bereits mehrfach belegt. So wird bei der Therapie der Alkoholabhängigkeit die Beeinflussung zentralnervöser Prozesse in Form von Frequenzbandtraining schon seit den 1970er Jahren erfolgreich eingesetzt. Als Weiterentwicklung birgt das qEEG-gestützte Neurofeedback das Potential zur Erstellung individualisierter Protokolle, wodurch die Effektivität der Behandlung erhöht werden kann. Nach einem kurzen Überblick über die neurophysiologischen Grundlagen von qEEG und Neurofeedback werden suchtspezifische qEEG-Metriken näher betrachtet. Zudem werden aktuelle Ergebnisse und relevante Publikationen zum Einsatz von Neurofeedback in der Suchtbehandlung vorgestellt sowie die Anwendungsmöglichkeiten und Grenzen dieser Methode bei Substanzabhängigkeit und nicht-stoffgebundenen Süchten diskutiert.

Schlussfolgerung:

Neben pharmakologischen, sozio- und psychotherapeutischen Methoden kann die gezielte Beeinflussung der neuronalen Aktivität mittels EEG-basierter Feedbackverfahren als erfolgversprechende Add-on Therapie in der Suchtbehandlung angesehen werden.