Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604642
Symposien
S-37 Patientenzentrierte Suchthilfe: Erfolgsmessung und mögliche Interventionen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Wirkt sich das Ausmaß an Beteiligung an der Behandlungsentscheidung auf die Annahme einer Weiterbehandlung nach dem qualifizierten Entzug aus?

A Friedrichs
1  Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
,
A Buchholz
1  Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
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Publication Date:
08 August 2017 (online)

 

Einleitung:

Die Beteiligung von Patienten an medizinischen Entscheidungsprozessen wird vermehrt gefordert (AWMF, 2015) und kann zu positiven Effekten u.a. auf Adhärenz führen (Coulter & Magee, 2003). Die Übereinstimmung von gewünschter und erlebter Beteiligung aus Patientenperspektive variiert beträchtlich (Brom et al., 2014). Ebenso zeigen Skalen zur Erfassung der Beteiligung auf Patienten-, Behandler- und Beobachterseite eine große Varianz auf (Scholl et al., 2012). Gerade Patienten mit alkoholbedingten Störungen möchten in Entscheidungen bzgl. ihrer Behandlung involviert werden (Friedrichs et al., 2015). Wie sich der Einfluss der erlebten Beteiligung auf die Annahme einer Weiterbehandlung nach dem qualifizierten Alkoholentzug auswirkt, ist bislang in keinen Studien erfasst. Ziel der Studie war die Überprüfung der Effekte der wahrgenommenen Beteiligung der Patienten-, Behandler- und Beobachterperspektiven auf die Annahme einer Weiterbehandlung nach dem qualifizierten Alkoholentzug.

Methodik:

Die Studie ist Teil der randomisiert kontrollierten Studie „Allocation of patients with alcohol use disorders to appropriate levels of care according to a decision algorithm based on a standardized intake assessment“. Die Datenerhebung fand von Juni 2013 bis Mai 2014 in vier qualifizierten Entzugsstationen statt. Patienten mit einer Alkoholabhängigkeit, die im qualifizierten Entzug behandelt wurden und eine Einverständniserklärung unterzeichnet haben, wurden eingeschlossen. Die Beteiligungspräferenz wurde mit der Control Preference Scale (Degner, 1997) und die erfolgte Beteiligung wurde mit der Patient Perception Scale (Janz et al., 2004) erhoben. Die wahrgenommene Beteiligung wurde aus drei Perspektiven erhoben: für Patienten mit dem Fragebogen zur Partizipativen Entscheidungsfindung (PEF-FB; Scholl et al., 2011), für Behandler mit dem PEF-FB-Doc (Scholl et al., 2012) und für die Beobachter mit der Observing Patient Involvement Scale (Elwyn et al., 2004). Das Antreten einer Weiterbehandlung wurde mit dem Client Sociodemograhic and Service Receipt Inventory (Roick et al., 2001) 6 Monate nach Ende der aktuellen qualifizierten Entzugsbehandlung erhoben.

Ergebnisse:

Insgesamt wurden N = 114 Patienten in die Studie aufgenommen, von denen zur Katamnese n = 79 Patienten (69,3%) erreicht wurden. N = 75 (65,8%) der Patienten waren männlich, die Patienten waren im Mittel 45,67 (SD 10,76) Jahre alt. Eine aktive Beteiligung an Behandlungsentscheidungen wünschten sich 87,8% der Patienten. Auf einer Skala von 0 – 100 gaben Patienten und Behandler ein hohes Ausmaß an Beteiligung an (M (PEF-FB)= 81,70, SD 16,94; M (PEF-FB-DOC)= 77,96. SD 10,32), während geschulte Rater ein geringeres Ausmaß an Beteiligung beobachteten (M (OPTION)= 22,10, SD = 11,31).

Schlussfolgerung:

Die Relevanz der Ergebnisse auf die Annahme einer Weiterbehandlung nach dem qualifizierten Entzug wird vor dem Hintergrund der Versorgungssituation und methodischer Aspekte diskutiert.