Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604644
Symposien
S-37 Patientenzentrierte Suchthilfe: Erfolgsmessung und mögliche Interventionen
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Patientenzentrierte Interventionen zur Verringerung der inadäquaten Einnahme und Verschreibung von Benzodiazepinen: eine systematische Übersichtsarbeit

A Mokhar
1  Institut für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
,
J Topp
2  Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
,
M Härter
1  Institut für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
,
J Dirmaier
1  Institut für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
08 August 2017 (online)

 

Einleitung:

Benzodiazepine sind hochwirksame, verschreibungspflichtige Medikamente, die bei einem bestimmungsgemäßen, kurzfristigen Gebrauch sicher und problemlos einsetzbar sind. Eine inadäquate Einnahme dieser Medikamente ist mit einer Reihe unerwünschter Nebenwirkungen sowie mit dem Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung verbunden. Um den Konsum von Benzodiazepinen zu reduzieren, wurden u.a. Interventionen im Sinne einer patientenzentrierten Versorgung entwickelt. Ziel der vorliegenden systematischen Übersichtsarbeit war es, diese Interventionen im Einzelnen zu identifizieren und sie auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen.

Methodik:

Für die Auffindung der Studien wurden die Datenbanken PubMed, EMBASE, PsychInfo, Psyndex und Cochrane Library benutzt, bis einschließlich Oktober 2014. Die Artikelsuche wurde begrenzt auf die Faktoren „Erwachsene ab dem 45 Lebensjahr aufwärts“ und „kontrolliertes Studiendesign“. Relevante Informationen aus den Studien wurden extrahiert; die Bewertung der Studienqualität basierte auf dem Risk of Bias-Tool der Cochrane Collaboration.

Ergebnisse:

Insgesamt wurden 7068 Studien identifiziert, von denen am Ende 21 in die systematische Übersichtsarbeit aufgenommen wurden. Neun Interventionen konzentrierten sich auf die Patienten und überprüften die patientenzentrierte Dimension „Patienteninformation“. Diese Studien zeigten eine deutliche Reduzierung des BZD-Konsums als Folge der jeweiligen Intervention. Weitere zehn Studien befassten sich mit medizinischen Fachkräften, und zwar innerhalb der patientenzentrierten Dimension der Kenntnis- und Fähigkeitserweiterung von Behandlern. Es wird sichtbar, dass diese komplexeren Interventionen (kombinierte Maßnahmen) für das medizinische Personal eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, BZD-Konsum und -Verschreibung zu reduzieren. Des Weiteren wurden zwei Interventionen identifiziert, die sowohl Patienten als auch Behandler betrafen und einen deutlichen positiven Einfluss auf die Einnahme sowie die Verschreibung von BZD gezeigt haben. Die Qualität dieser Studien ist jedoch insgesamt als moderat zu bewerten. Studien, die einen patientenorientierten Ansatz nutzten in Form von Patienten-Informationen oder umfangreichen Bildungsstrategien für die Gesundheitsberufe, haben den vergleichsweise größten und nachhaltigsten Effekt erreicht.

Schlussfolgerung:

Es scheint, dass Aufklärung von Patienten über Benzodiazepine sowie die Optimierung von Wissen und Fähigkeiten des Fachpersonals zu einer Verbesserung führen kann bezüglich Gebrauch und Verschreibung der Medikamente. Interventionen mit dem Ziel einer Verbesserung der patientenzentrierten Gesundheitsversorgung steigern die Chance auf die Reduktion von inadäquater Einnahme und Verschreibung von Benzodiazepinen.