Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604651
Symposien
S-39 Gaming and Gambling – Neue Entwicklungen und diagnostische Möglichkeiten
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ich will doch nur spielen! Zwischen digitalen Spielewelten und problematischem Glücksspiel

C See
1  Sucht.Hamburg gGmbH
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Publication Date:
08 August 2017 (online)

 

Unabhängig von rechtlichen Rahmenbedingungen gewinnen Glücksspielangebote im Internet zunehmend an Bedeutung. Im Internet verschwimmen die Grenzen zwischen Gaming und Gambling. So bieten Computerspiele immer öfter auch Geldeinsätze zum Spielfortschritt an oder haben Glücksspiel-angelehnte Angebote integriert. Deshalb ist davon auszugehen, dass die ersten Berührungen mit Glücksspielen oder glücksspielähnlichen Produkten vermehrt im Internet stattfinden. Erschwerend kommt hinzu, dass Glücksspiele im Internet nicht immer als solche direkt erkennbar sind. Es gibt Unterformen, bei denen Onlinespiele erst kostenlos spielbar und nach einiger Zeit des Trainings dann auch Geldeinsätze mit realen Gewinnen und Verlusten in das Spiel integrierbar sind. Das Angebot reicht von „Skill-Games“ wie bspw. Skat über Spiele gegen reale Gegner um Geld bis hin zu „Skin-Lotterien“, bei denen Waffen erworben und verkauft werden können. Oftmals wird der Glücksspielcharakter zugunsten eines angeblichen Wettkampfes, bei dem es vor allem auf die Fähigkeiten der Mitspieler ankommt, verschleiert. Hauptintention des Beitrags ist es, einen Einblick in aktuelle Spielewelten zu geben, bei denen sich Computerspiele und Glücksspiel vermischen. Daneben soll auf Spielanreize und Risiken von Online-Glücksspielen eingegangen werden. Ebenfalls werden aktuelle empirische Befunde herangezogen, inwiefern solche Angebote die Neugier auf Glücksspiele wecken und einen Übergang vom Online-Gaming zum Online-Gambling schaffen. Das vielfältige Angebot an Spielen im Internet, die hohe Ereignisdichte, die permanente Verfügbarkeit, Anonymität und unzureichende rechtliche Rahmenbedingungen unterstützen problematisches Spielverhalten – mit oder ohne Geldeinsatz.