Suchttherapie 2017; 18(S 01): S1-S72
DOI: 10.1055/s-0037-1604653
Symposien
S-39 Gaming and Gambling – Neue Entwicklungen und diagnostische Möglichkeiten
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Ist Glücksspiel als Unterhaltung vereinbar mit der Idee des ‚informierten Spielers‘?

A Uhl
1  Gesundheit Österreich GmbH
,
A Puhm
1  Gesundheit Österreich GmbH
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Publication Date:
08 August 2017 (online)

 

Einleitung:

Substanzkonsum und Verhaltensweisen mit Suchtpotenzial haben meist sowohl positive als auch negative Aspekte: Bei moderatem Umgang stehen positive Aspekte im Vordergrund, während bei problematischem bzw. pathologischem Umgang die negativen Effekte erheblich überwiegen. Für viele Menschen bedeutet ein Glas Bier oder Wein zum Essen oder eine Zigarette zum Kaffee Genuss. Auch ein Videospiel am Computer/Smartphone oder ein Casino-Abend im Freundeskreis kann eine angenehme Unterhaltung darstellen. Außer Frage steht dabei, dass exzessiver Alkoholkonsum, regelmäßiges Zigarettenrauchen, intensives Computerspielen oder hohe Geldverluste im Casino Probleme verursachen, die die positiven Aspekte um ein Vielfaches übersteigen. Im Zusammenhang mit Automatenglücksspiel drängt sich die Frage auf, ob es auch hier Unterhaltungseffekte bei verantwortungsbewusstem Spielen geben kann oder ob die Spielmotivation ausschließlich in der Erwartung längerfristiger Gewinne liegt – einer Erwartung, die angesichts der Rahmenbedingungen beim Automatenglücksspiel völlig unrealistisch ist und auf einem grundlegenden Denkfehler basiert. Wer präventiv über die gesundheitlichen Gefahren des Alkohols, des Tabaks und die Problematik des exzessiven Computer- oder Glücksspielens aufgeklärt wird und diese Informationen positiv aufnimmt, kann trotzdem in vertretbarem Ausmaß Alkohol trinken, Tabak rauchen, Computerspiele spielen oder manchmal mit überschaubaren Einsätzen ein Casino besuchen. Ist es hingegen denkbar, dass jemand, der die wahrscheinlichkeitstheoretischen Grundlagen des Automatenspiels wirklich versteht, sich an einen Glückspielautomaten setzt? Ginge es nur um das Spielen an sich, wäre „Simulated Gambling“, also Spielen ohne monetären Gewinn oder Verlust, eine weit rationalere Option.

Methodik:

Zur Annäherung an dieses Thema wurden die wahrscheinlichkeitstheoretischen Grundlagen des Automatenglücksspiels analysiert und Gespräche mit Angestellten in Automatenbetrieben geführt.

Ergebnisse:

Aufgrund der Rahmenbedingungen für Automatenglücksspiel ist es in Österreich derzeit unmöglich, auf längere Sicht Gewinne zu machen. Die Vorstellung, dass Automatenspieler/innen zwar wissen, dass sie längerfristig nicht gewinnen können, aber die Zeit im Automatensalon als Unterhaltung ähnlich wie einen Theater- oder Kinobesuch sehen und bereit sind, dafür zu bezahlen, scheint Angestellten von Automatenbetrieben absurd.

Schlussfolgerung:

Im Zuge der (schulischen) Suchtprävention werden Kinder und Jugendliche nicht nur über Gefahren in Zusammenhang mit unterschiedlichen psychoaktiven Substanzen aufgeklärt, es wird ihnen auch ein verantwortungsbewusster Umgang damit nahegelegt. In Bezug auf Automatenglücksspiel ist hingegen mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten, dass das Verstehen der zugrundeliegenden Prinzipien dazu führt, dass diese Angebote nicht mehr in Anspruch genommen werden, weil der primäre Grund für das Spielen wegfällt, wenn keine Gewinnerwartung besteht.