Zeitschrift für Phytotherapie 2017; 38(S 01): S1-S44
DOI: 10.1055/s-0037-1607170
Poster
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Löwenzahnextrakt ruft antitumorale Effekte in Ovarialkarzinomzellen hervor und wirkt synergistisch in Kombination mit Mistelpräparaten

K Menke
1  Abteilung für Pädiatrie und Hämatologie der Kinderklinik, Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland
,
M Schwermer
2  Abteilung für Kinder -und Jugendmedizin, Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, Herdecke, Deutschland
,
K Falke
1  Abteilung für Pädiatrie und Hämatologie der Kinderklinik, Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland
,
J Felenda
3  WALA Heilmittel GmbH, Bad Boll/Eckwälden, Deutschland
,
C Beckmann
3  WALA Heilmittel GmbH, Bad Boll/Eckwälden, Deutschland
,
F Stintzing
3  WALA Heilmittel GmbH, Bad Boll/Eckwälden, Deutschland
,
A Voigt
4  Gynäkologisches Krebszentrum, Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, Deutschland
,
A Schramm
5  Westdeutsches Tumorzentrum, Universitätsklinikum Essen, Universität Duisburg-Essen, Essen, Deutschland
,
TJ Zuzak
2  Abteilung für Kinder -und Jugendmedizin, Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, Herdecke, Deutschland
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
27 September 2017 (online)

 

Das Ovarialkarzinom gehört zu den tödlichsten gynäkologischen Tumoren weltweit. Trotz einer sich immer weiterentwickelnden, umfangreichen multimodalen Therapiestrategie stagniert das 5-Jahres-Überleben (46%) in den letzten Jahren [1]. Daher greifen immer mehr Patientinnen auf komplementärmedizinische Behandlungen zurück. Hierbei zählen Mistelpräparate (Viscum album), wie auch bei andern Tumorentitäten, zu den am häufigsten verwendeten pflanzlichen Heilmitteln [2]. Diese werden häufig mit Löwenzahnextrakten (Taraxacum officinale) kombiniert [3]. Allerdings sind die Effekte solcher Kombinationstherapien noch unzureichend untersucht. In unserem Projekt haben wir daher die antitumoralen Eigenschaften eines fermentierten Löwenzahnextraktes (Taraxacum e planta tota ferm 34c; WALA Heilmittel GmbH) und dessen synergistische anti-proliferative Effekte mit Mistelpräparaten (Iscucin® Tiliae and Iscucin® Pini) untersucht. Zunächst konnte mittels eines Zellviabilitätstests gezeigt werden, dass die Ovarialkarzinomzelllinien (NIH:OVCAR-3, SKOV-3), in einem Panel getesteter adulter Zelllinien, sehr gut auf die Löwenzahnbehandlung ansprechen. Zudem ließen sich ein erhöhtes Apoptoselevel sowie eine Verringerung der Mitochondrienviabilität nachweisen, was auf die Induktion des intrinsischen Apoptoseweges hindeutet. Außerdem konnte eine Hemmung der Migration unter Behandlung beobachtet werden (Abb. 1). Dies ist von großer Bedeutung, da die Migration ein Prozess ist, welcher maßgebend an der Metastasierung beteiligt ist, eine der Hauptursachen der hohen Mortalitätsrate bei Ovarialpatientinnen [4]. Die antiproliferativen Effekte des Löwenzahnpräparates konnten durch die simultane Behandlung mit Mistelextrakten verstärkt werden.

Die Ergebnisse bekräftigen die Wirksamkeit der in der Komplementärmedizin eingesetzten kombinierten Therapie bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom und untermauern die Notwendigkeit weiterer klinischer Studien zur Wirksamkeit und Verträglichkeit aber auch zu Wechselwirkungen mit konventionellen (Bestrahlungs-, Chemotherapie) Therapien.

Zoom Image
Abb. 1: Antitumorale Eigenschaften eines Löwenzahnextraktes in Ovarialkarzinomzellen.

Literatur:

[1] Ozols RF. Principles and practice of gynecologic oncology epithelial ovarian cancer. Philadelphia: Lippincott Williams & Wilkins; 2014

[2] Navo MA et al. J Clin Oncol 2004; 22: 671 – 677

[3] Bartholomeus Maris, Frauenheilkunde und Geburtshilfe: Grundlagen und therapeutische Konzepte der Anthroposophischen Medizin. Berlin: Salumed-Verlag; 2012

[4] Lengyel E. Am J Pathol 2010; 177: 1053 – 1064