Diabetologie und Stoffwechsel 2018; 13(03): 275
DOI: 10.1055/s-0038-1657812
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Populationsweite Utilisationsuntersuchung in den chronischen Krankheitsbildern Hypertonie, Hyperlipidämie und Typ 2 Diabetes Mellitus – Eine Studie des Projekts PUKO-BHD (Prävalenz, Utilisation, Kosten und Outcome) an der Medizinischen Universität Wien

Authors

  • LM Jandeck

    1   Klinikum Bielefeld Rosenhöhe, Klinik für Innere Medizin und Rheumatologie, Bielefeld, Germany
  • G Heinze

    2   Institut für Klinische Biometrie, Zentrum für Medizinische Statistik, Informatik und Intelligente Systeme, Medizinische Universität Wien, Wien, Austria
  • M Hronsky

    2   Institut für Klinische Biometrie, Zentrum für Medizinische Statistik, Informatik und Intelligente Systeme, Medizinische Universität Wien, Wien, Austria
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Publication History

Publication Date:
07 June 2018 (online)

 

Fragestellung:

Zielsetzung der Studie ist eine populationsweite epidemiologische Untersuchung zur Arzneimittelutilisation in Bezug auf Mehrfachverschreibungen (double prescriptions, DP) und Verschreibungen von Wirkstoffkombinationen, die (schwerwiegende) Wechselwirkungen erzeugen können (severe drug-drug interactions, S.DDI) bei Hypertonie (HT), Hyperlipidämie (HL) und Typ 2 Diabetes Mellitus (DM). Der Nutzen liegt im Aufzeigen/Vermeiden derartiger Verschreibungen zur Erhöhung der Patientensicherheit und Kostensenkung.

Methodik:

Für die empirischen Analysen wurde eine pseudonymisierte Datenbank aller Arzneimittelverschreibungen in Österreich (2007 – 2012) verwendet mit eingelösten Rezepten von 86 Antihypertensiva, 16 Lipidsenkern und 28 Antidiabetika. Die zeitliche Abdeckungsperiode der Rezepte wurde über die durchschnittliche verschriebene Tagesdosis geschätzt; Prävalenzen der DP/DDI nach Pat./Pat.-Jahren (PJ) sowie Risikofaktoren für derartige Verschreibungen durch logistische Regressionen und Odds ratios ermittelt.

Ergebnisse:

Die Studienpopulation (Erhebungsjahr 2011) lag bei ca. acht Mio. Versicherten. Davon ausgehend wurde die Patientenpopulation (Personen mit mind. einer Verschreibung von HT-, HL- oder DM-Pharmaka) festgelegt. Je nach Krankheitsbild waren 9,5 – 11,5% der Pat. und 0,6 – 1,0% der PJ von DP betroffen; von S.DDI 0,05 – 0,71% der Pat. und 0,3 – 2,4% der PJ. Wichtigster Risikofaktor war die Rezeptgebührenbefreiung (RB). Zudem waren Verschreibungen von Spitälern oder InternistInnen stärker DP-exponiert als die von praktischen ÄrztInnen. DP lagen v.a. im Sommer vor; für S.DDI existierten keine saisonalen Muster.

Schlussfolgerungen:

Die Studie zeigt, dass DP/DDI häufig anzutreffen sind. Ein Teil ist auf ordnungsgemäße zielgerichtete Therapie von Multimorbiditäten zurückzuführen, die nicht selten in Kooperation von FachärztInnen realisiert wird. Insbesondere fehlende finanzielle Anreize (RB) sind für einen beachtlichen Teil der DP/DDI verantwortlich. Eine DP/DDI-Reduktion könnte zukünftig durch stärkere Fokussierung auf eHealth-Systeme erreicht werden.