Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 105-106
DOI: 10.1055/s-0038-1671064
Poster
Donnerstag, 01.11.2018
Konservative Gynäkologie/Übergreifende Themen I
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Gesundheitsökonomische Aspekte einer langen Diagnoseverzögerung bei Endometriose

I Brandes
1  Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Hannover, Deutschland
,
S Binder
2  Universität Bayreuth, Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften, Bayreuth, Deutschland
,
C Klug
2  Universität Bayreuth, Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften, Bayreuth, Deutschland
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Endometriose gilt als eine der häufigsten benignen gynäkologischen Erkrankungen. Neben den körperlichen, psychischen und sozialen Folgen für die Betroffenen werden auch die ökonomischen Belastungen auf gesamtgesellschaftlicher Ebene als bedeutend eingeschätzt. Als Kostentreiber gelten hier weniger die erhöhten Inanspruchnahmen medizinischer Leistungen als vielmehr die Kosten aus reduzierter Leistungsfähigkeit im beruflichen und privaten Alltag. Aus gesundheitsökonomischer Perspektive stellt sich die Frage, inwieweit sich eine Subgruppe an erkrankten Frauen mit überdurchschnittlich hohen Krankheitskosten identifizieren lässt.

Material:

Grundlage der Analyse waren die Daten des deutschen Teils der EndoCost-Studie, einer multizentrischen prävalenzbasierten bottom-up Studie, die aus Mitteln der WERF in 2009 gefördert wurde.

Methoden:

Der Schwellenwert für lange Diagnoseverzögerung wurde nach Anwendung verschiedener Verfahren auf den Median (5 Jahre) festgelegt, bei einer durchschnittlichen Diagnoseverzögerung von 6,9 (SD = 7,5) und einer ärzteseitigen Verzögerung von 4,2 (SD = 6,1) Jahren.

Ergebnisse:

Signifikante Gruppenunterschiede zwischen Frauen mit kurzer und langer Diagnoseverzögerung fanden sich für das Alter bei Beschwerdebeginn und bei Diagnosestellung. Die Frauen mit langer Diagnoseverzögerung wiesen im Krankheitsverlauf mehr Laparoskopien, längere Hormontherapien und häufigere Arztkontakte auf, die mit signifikant höheren Kosten einhergingen. Keine Unterschiede zeigten sich in den Kosten aus Arbeitsausfall und Erwerbsminderung.

Zusammenfassung:

Es ist davon auszugehen, dass (a) junges Alter bei Beschwerdebeginn die Diagnoseverzögerung patienten- und ärzteseitig begünstigt und (b) lange Diagnoseverzögerung aufgrund der erhöhten Inanspruchnahmen von Gesundheitsleistungen mehr als doppelt so hohe direkte Krankheitskosten verursacht. Daraus leitet sich die gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit ab, verstärkt junge Frauen mit Unterbauchschmerzen über die Möglichkeit einer Endometriose aufzuklären, z.B. über Informationskampagnen und einer erhöhten Aufmerksamkeit der Ärzte im direkten Arzt-Patientin-Gespräch.