Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 133
DOI: 10.1055/s-0038-1671150
Poster
Donnerstag, 01.11.2018
Pränatal- und Geburtsmedizin V
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Einstellungen zur Telemedizin in der Schwangerschaftsvorsorge: Eine Umfrage unter medizinischen Fachkräften in Deutschland

N Grassl
1  Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, Heidelberg, Deutschland
,
J Nees
1  Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, Heidelberg, Deutschland
,
K Schramm
1  Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, Heidelberg, Deutschland
,
J Spratte
1  Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, Heidelberg, Deutschland
,
C Sohn
1  Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, Heidelberg, Deutschland
,
TC Schott
2  Universitätsklinikum Tübingen, Poliklinik für Kieferorthopädie, Tübingen, Deutschland
,
S Schott
1  Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, Heidelberg, Deutschland
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Hintergrund:

Verunsicherung und psychische Belastungen in der Schwangerschaft können zu Notdienstkonsultationen ohne Notfallindikation im strengen Sinne führen. Gleichzeitig entfaltet sich zunehmend ein blühender Markt an Schwangerschafts-Apps, deren Einbezug die Versorgung von Schwangeren verbessern und nicht dringende ärztliche Konsultationen vermeiden könnte. Es erscheint daher notwendig, die Einstellung medizinischer Fachkräfte zu elektronischen Gesundheitsanwendungen zu erfahren, um deren Potential auszuschöpfen.

Zielsetzung:

Ziel dieser Studie ist es, Ansichten zur Telemedizin von in der Geburtsmedizin tätigen ÄrztInnen, Hebammen und Krankenschwestern zu erfassen und Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Methoden:

Unsere deutschlandweite online Umfrage umfasst Fragen zur Zufriedenheit am Arbeitsplatz, Nachtdienstbelastung, Schlafprobleme und Einstellung zur Telemedizin.

Ergebnisse:

Unter 244 medizinischen Fachkräften aus deutschen Kliniken aller geburtsmedizinischer Versorgungsstufen zeigen sich 70% der medizinischen Fachkräfte skeptisch gegenüber dem Einsatz von Telemedizin. Gleichzeitig erkennen 61% jedoch großes Potential darin. Drastische Unterschiede bestehen zwischen ärztlichem und nichtärztlichem Personal: 72% der befragten ÄrztInnen befürworten den Einsatz von Apps zur Schwangerschaftsüberwachung, verglichen mit 32% der Hebammen und Krankenschwestern (P < 0,001). Letztere lehnen zu 54% solche Entwicklungen kategorisch ab, unter ÄrztInnen sind es nur 27% (P < 0,001). Interessanterweise waren UmfrageteilnehmerInnen mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung signifikant skeptischer als weniger erfahrene KollegInnen, dass Telemedizin nicht dringende, geburtsmedizinische Notfallkonsultationen vermeiden könne (49% gegenüber 73%, P = 0,006).

Ausblick:

Unsere Umfrage fördert ein gespaltenes Verhältnis zum Einsatz der Telemedizin in der Geburtsmedizin zutage. Die Bemühungen, dieser Technologie zum Durchbruch zu verhelfen, sollten sich ebenfalls auf Krankenschwestern und Hebammen konzentrieren, da unter ihnen Skepsis am weitesten verbreitet ist. Im Gegensatz dazu sind besonders junge ÄrztInnen gegenüber der Telemedizin sehr aufgeschlossen.