Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 205-206
DOI: 10.1055/s-0038-1671376
Poster
Freitag, 02.11.2018
Konservative Gynäkologie/Übergreifende Themen II
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Auftreten genitaler Verletzungen bei Frauen nach Sexualdelikten – unizentrische Analyse zur Bedeutung der gynäkologischen Untersuchungen

CME Van Aken
1  Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik und Poliklinik für Gynäkologie, Hamburg, Deutschland
,
L Meyer
1  Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik und Poliklinik für Gynäkologie, Hamburg, Deutschland
,
L Lohner
2  Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Rechtsmedizin, Hamburg, Deutschland
,
S Anders
2  Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Rechtsmedizin, Hamburg, Deutschland
,
K Püschel
2  Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Rechtsmedizin, Hamburg, Deutschland
,
B Schmalfeldt
1  Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik und Poliklinik für Gynäkologie, Hamburg, Deutschland
,
I Witzel
1  Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik und Poliklinik für Gynäkologie, Hamburg, Deutschland
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Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Die gemeinsame Untersuchung von Frauen nach Sexualdelikten durch Ärzte/-innen der Rechtsmedizin und Gynäkologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf stellt ein langjährig bewährtes Modell interdisziplinärer Zusammenarbeit dar. Ziel der vorliegenden Untersuchung war die Evaluation des Verletzungsmusters der untersuchten Frauen.

Methoden:

Retrospektive Analyse der Untersuchungsbefunde aller Frauen, die 2013 und 2014 wegen eines Sexualdelikts in der Zentralen Notaufnahme am UKE untersucht wurden (n = 300).

Ergebnisse:

Das Alter der untersuchten Frauen lag zwischen 12 und 91 Jahren. Bei 152 Frauen (51%) war der Täter der Frau bekannt. Die Kriminalpolizei begleitete 189 Frauen (63%), eine Anzeige erstatteten 164 Frauen (55%). Die Latenz bis zur Untersuchung lag bei 46% der Frauen (n = 137) unter 12 Stunden, bei 26% (n = 77) zwischen 12 und 24 Stunden und bei 26% (n = 78) zwischen 24 und 72 Stunden. 23% der Frauen (n = 69) hatten teils mehrere genitoanale Verletzungen; diese verteilten sich wie folgt: äußeres Genitale (n = 32), inneres Genitale (n = 30) und Analregion (n = 20). 72% (n = 217) der Frauen hatten extragenitale Verletzungen, hiervon wiesen 150 Frauen mehr als eine extragenitale Verletzung auf. Sowohl genitale als auch extragenitale Verletzungen fanden sich bei 17% (n = 52) der Frauen. Eine postkoitale Kontrazeption erhielten 43% (n = 129) der Frauen und 24% (n = 71) erhielten eine HIV-Postexpositionsprophylaxe.

Zusammenfassung:

Auch wenn extragenitale Verletzungen bei Frauen nach Sexualdelikten häufiger nachweisbar sind als genitale Verletzungen, zeigen diese Daten die Notwendigkeit einer fachkundigen gynäkologischen Untersuchung zur Einschätzung derselben, zur Spurensicherung und Beratung bezüglich der postkoitalen Kontrazeption und infektionsprophylaktischer Maßnahmen. Ein interdisziplinäres Setting gemeinsam mit der Rechtsmedizin ermöglicht die optimale Betreuung der betroffenen Frauen.