Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 253-254
DOI: 10.1055/s-0038-1671529
Poster
Freitag, 02.11.2018
Senologie III
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Einfluss einer endokrinen Therapie mit Tamoxifen auf Visus und Sehqualität – Ergebnisse einer Querschnittsstudie

B Jäger
1  Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
,
K Spaniol
1  Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
,
M von der Ahe
1  Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
,
AK Ozga
1  Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
,
S Mohrmann
1  Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
,
R Guthoff
1  Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
,
T Fehm
1  Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Düsseldorf, Deutschland
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Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
20. September 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Tamoxifen ist ein nicht-steroidaler Östrogen-Rezeptor-Antagonist zur endokrinen Therapie bei Mammakarzinom, je nach Risikosituation mit einer Einnahmedauer bis zu zehn Jahre. Es gibt Einzelfallberichte zu Kataraktentwicklung, Hornhautveränderungen, Makulopathien, sowie Kontrast- und Farbsehveränderungen. Wir untersuchten Auswirkungen einer Tamoxifentherapie auf Visus und Sehqualität.

Materialien und Methoden:

Es handelt sich um eine klinische Querschnittstudie (Registrierungs ID: 2015104462, Ethiknummer 5284R). Es wurden 12 Patientinnen vor und 90 während Tamoxifentherapie eingeschlossen. 34 Patientinnen erhielten zuvor eine Chemotherapie, 14 Aromatasehemmer. Es erfolgte eine Erhebung des bestkorrigierten Visus (BCVA, logMar), des Kontrastsehens (MARS-Test), des Farbsehens (Farnsworth Panel D 15), des 10 ° Gesichtsfeldes und eine Untersuchung des vorderen und hinteren Augenabschnittes in Miosis. Systemische Erkrankungen, Nikotin- und Alkoholabusus sowie Begleitmedikationen wurden erhoben und deren Einfluss auf Visus, Kontrast- und Farbsehen sowie Gesichtsfeld mittels univariatem und multivariatem linearen oder logistischem gemischtem Regressionsmodell untersucht (Signifikanzniveau 0,05). Aufgrund des explorativen Designs wurde keine Adjustierung für multiples Testen vorgenommen.

Ergebnisse:

Das Alter betrug 51 ± 9 Jahre, die Tamoxifen-Einnahmedauer lag bei 25 ± 119 Wochen (maximal 884 Wochen), der Visus bei 0,02 ± 0,2 logMar. Es zeigte sich kein statistisch signifikanter Einfluss der Tamoxifentherapie alleine auf Visus, Kontrast- oder Farbsehen und Gesichtsfeld. Interessanterweise ergab die multivariate Analyse einen signifikant schlechteren Visus (p = 0,04) sowie signifikant schlechteres Kontrastsehen (p = 0,003) bei zusätzlicher Aromatasehemmertherapie.

Schlussfolgerung:

In dieser Untersuchung zeigte sich, dass Tamoxifen bezüglich Visus und Sehqualität unbedenklich zu sein scheint. Pathologische Veränderungen waren in unserem Kollektiv nicht nachweisbar. Der beschriebene Einfluss einer Aromatasehemmertherapie auf Visus und Kontrastsehen sollte beachtet werden, wenn Patientinnen über Sehstörungen klagen und muss in weiteren Untersuchungen bestätigt werden.