Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 267
DOI: 10.1055/s-0038-1671574
Poster
Freitag, 02.11.2018
Case-Report VI
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Fulminantes Zervix Karzinom Rezidiv 6 Wochen nach TMMR mit klinischer Komplettremission auf Cisplatin, Paclitaxel und Bevacizumab

L Weydandt
1  Universitätsklinikum Leipzig, Frauenheilkunde, Leipzig, Deutschland
,
LC Horn
2  Universitätsklinikum Leipzig, Institut für Pathologie, Leipzig, Deutschland
,
G Borte
3  Universitätsklinikum Leipzig, Diagnostische Radiologie, Leipzig, Deutschland
,
M Höckel
1  Universitätsklinikum Leipzig, Frauenheilkunde, Leipzig, Deutschland
,
B Aktas
1  Universitätsklinikum Leipzig, Frauenheilkunde, Leipzig, Deutschland
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Im nachfolgenden berichten wir über den Fall einer 41-jährigen Patientin mit einem Zervixkarzinom und ungewöhnlicher Tumordynamik bei seltener Histopathologie.

Materialien und Methoden:

Die Patientin stellte sich mit einem auswärts gesichertem gemischten Platten- und Adenokarzinom der Zervix uteri erstmalig vor. Die Untersuchungen ergaben einen großen exophytisch wachsenden Tumor mit Infiltration des hinteren Scheidengewölbes. MR-morphologisch zeigte sich ein Stadium von T2a N1. Die erneut durchgeführte PE ergab Anteile eines schlecht differenzierten adenosquamösen Karzinoms.

Im Anschluss wurde die Totale mesometriale Resektion (TMMR) mit Adnexektomie, pelviner sowie paraaortaler Lymphonodektomie durchgeführt. Histopathologisch ergab sich ein Stratifiziertes Muzin produzierendes Zervixkarzinom ausgehend von einer SMILE (stratifizierte, muzinbildende, intraepitheliale Läsion) im Stadium pT2b pN1 (4/40) MX L1 V1 Pn0, G3, R0. Die Patientin begann anschließend die Systemtherapie mit Cisplatin.

Sechs Wochen nach Primäroperation stellte sich die Patientin mit Schmerzen im Bereich des Steißbeins vor. Palpatorisch zeigte sich eine deutliche Raumforderung im Douglas sowie rechts sakral. Die Bildgebung mittels PET-CT und MRT zeigte ein ausgeprägtes Tumorrezidiv mit großen bulkartigen Tumorkonglomeraten im kleinen Becken sowie mesenterialen Lymphknotenmetastasen. Danach erfolgte die sofortige Therapieumstellung zu einer Kombinationstherapie mit Cisplatin, Paclitaxel und Bevacizumab.

Ergebnisse:

Nach Therapieumstellung und zwei Zyklen zeigte sich CT-morphologisch die vollständige Rückbildung des ausgedehnten Tumorrezidivs ohne residuelle Tumormanifestation.

Klinisch war bei der Palpation keine Raumforderung mehr nachweisbar, bei vollkommen weichen Verhältnissen.

Schlussfolgerung:

Der vorliegende Fall zeigt, dass es im klinischen Alltag immer wieder zu besonderen und unerwartenden Krankheitsverläufen kommen kann. Eine adjuvante Radiatio sollte zurückhaltend eingesetzt werden. Die Tumorbiologie scheint auch beim Zervix-Karzinom ein entscheidender Faktor zu sein.