Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 273-274
DOI: 10.1055/s-0038-1671594
Freie Vorträge
Mittwoch, 31.10.2018
Netzwerk Fertiprotekt e.V.
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Entwicklung eines Fragebogens zur Erfassung von Aspekten der Lebensqualität bei fertilitätserhaltenden Maßnahmen

R Schwab
1  Universitätsmedizin Mainz, Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Frauengesundheit, Mainz, Deutschland
,
L Felske
2  Uniklinik Freiburg, Freiburg, Deutschland
,
H Schiller
3  Universität Freiburg, Freiburg, Deutschland
,
A Hasenburg
1  Universitätsmedizin Mainz, Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Frauengesundheit, Mainz, Deutschland
,
J Weis
4  Professur für Selbsthilfeforschung Comprehensive Cancer Center Universitätsklinikum Universität Freiburg, Freiburg, Deutschland
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Fertilitätsprotektion ist ein wichtiges Thema für junge Tumorpatientinnen und Patienten. Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung eines Fragebogens, welcher die individuellen Bedürfnisse dieses speziellen Patientenkollektives berücksichtigt, um die psychosozialen Aspekte in Zusammenhang mit fertilitätserhaltenden Maßnahmen und der dadurch erforderlichen Beratung, zu erfassen.

Material:

Alle Patientinnen und Patienten zwischen 18 und 45 Jahre (n = 304), die im Rahmen des FertiPROTEKT Netzwerkes zwischen 2009 und 2014 an der Universitätsfrauenklinik Freiburg beraten worden waren, wurden schriftlich kontaktiert. 25 Betroffene waren mit der Teilnahme an der Studie einverstanden, 12 Interviews konnten durchgeführt werden (8 Frauen und 4 Männer).

Methoden:

Als Vorarbeit zur Fragebogenentwicklung in Kooperation mit der EORTC Quality of Life Group wurden qualitative teilstrukturierte Interviews mit Betroffenen durchgeführt. Die Interviewdaten wurden inhaltsanalytisch ausgewertet (Inhaltsanalyse nach Mayring).

Ergebnisse:

Es wurden 6 wichtige Aspekte (Hauptkategorien) identifiziert:

  1. Beratung bezüglich Fertilität;

  2. finanzielle Aspekte bezüglich Fertilität;

  3. Partnerschaft und Familie;

  4. Belastung der Lebensqualität;

  5. Verarbeitung möglicher Fertilitätseinschränkungen und

  6. Entscheidungsfindung.

Diese konnten in jeweils mehrere Unterkategorien aufgeteilt werden. Die zeitnahe Beratung über Fertilitätsprotektion wurde als sehr wichtig empfunden. Eine leitliniengerechte Beratung aller Betroffener wurde gefordert und z.T. als ethisch verpflichtend bewertet. Die Kosten für die fertilitätsprotektiven Maßnahmen wurden mehrfach als Belastungsfaktor und als Einflussfaktor in der Entscheidungsfindung für oder gegen eine Therapie genannt.

Zusammenfassung:

Die Lebensqualität bei jungen Überlebenden einer onkologischen Erkrankung hängt stark von der reproduktiven Funktion ab. Durch einen entsprechenden Fragebogen wäre eine verbesserte individuelle Beratung krebskranker Menschen und eine bedarfsorientierte Prävention für Belastungen und Entscheidungskonflikte möglich.