Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 277
DOI: 10.1055/s-0038-1671603
Freie Vorträge
Mittwoch, 31.10.2018
Operative Deszensuschirurgie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

12-Monats-Follow-up nach Zystozelenkorrektur mit einem leichtgewichtigen 6-Punkt-fixierten Netz: Anatomische Ergebnisse, Einfluss auf die Lebensqualität und unerwünschte Ereignisse

A Brandt
1  OK Offenburg, Frauenklinik, Offenburg, Deutschland
,
B Osorio
1  OK Offenburg, Frauenklinik, Offenburg, Deutschland
,
J Kociszewski
2  Evangelisches Krankenhaus Hagen-Haspen, Frauenklinik, Hagen, Deutschland
,
H Lutz
3  Spital Waldshut, Frauenklinik, Waldshut-Tiengen, Deutschland
,
A Niesel
4  Klinik in Preetz, Frauenklinik, Preetz, Deutschland
,
C Fünfgeld
5  Klinik Tettnang, Frauenklinik, Tettnang, Deutschland
,
M Mengel
6  Klinikum Oberlausitzer Bergland, Frauenklinik, Zittau, Deutschland
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Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Einleitung:

Trotz guter anatomischer Ergebnisse wird der Einsatz alloplastischer Netze zur Stabilisierung bei der Zystozelenkorrektur weltweit kontrovers diskutiert. Durch Weiterentwicklung der OP-Techniken mit zusätzlicher apikaler Fixierung, Vermeidung von Blindpassagen und Verbesserung der Implantate durch Reduktion des Flächengewichts ist es gelungen, die Rate an unerwünschten Ereignissen deutlich zu reduzieren.

Methode:

Diese multizentrische prospektive Beobachtungsstudie wurde in 6 urogynäkologischen Zentren durchgeführt. Eingeschlossen wurden 277 Patientinnen mit einem symptomatischen Deszensus Stadium II oder höher. Es wurde ein leichtgewichtiges isoelastisches makroporöses Netz verwendet. Die Beurteilung des Deszensus wurde vor der Operation und nach 12 Monaten mit dem ICS-POP-Q-System quantifiziert. Die Lebensqualität wurde mit dem validierten P-QoL-Fragebogen in 9 gemessenen Bereichen erfasst. Als Rezidiv wurde ein Deszensus bis zum Hymenalsaum (Stadium II) definiert.

Ergebnisse:

Nach 12 Monaten konnten 254 Patientinnen nachuntersucht werden. Zystozelenrezidive traten 7 mal auf. Die Anzahl an apikalen Rezidiven ebenfalls 7 Mal. Damit lag die Rezidivrate im operierten anteriorem und apikalem Kompartiment bei 5%. Senkungen im nur teilweise mitoperiertem posterioren Kompartiment wurden bei 35 Patientinnen beobachtet. Die Lebensqualität besserte sich signifikant in allen Bereichen. Die Erosionsrate war mit 1,3% niedrig. Eine Netzentfernung war nicht notwendig.

Schlussfolgerungen:

Die Zystozelenkorrektur mit einem modernen leichtgewichtigen Ingyniousnetz verbessert die Lebensqualität in allen gemessenen Bereichen bei niedriger Komplikationsrate. Die vaginalen Netzerosionen ließen sich auf ein Minimum reduzieren. Die Rate an denovo Belastungsinkontinenz liegt im statistischen Rahmen der konventionellen Operationen. Die Rezidivrate ist sehr gering. Durch Optimierung des Netzdesigns und Reduktion des Flächengewichts und Verbesserung der OP-Technik lässt sich die Komplikationsrate deutlich unter das Niveau der bisherigen Literatur senken.