Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 277
DOI: 10.1055/s-0038-1671604
Freie Vorträge
Mittwoch, 31.10.2018
Praktische Aspekte integrativer Medizin in der Geburtshilfe
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Manuelle Medizin in der Geburtshilfe

S Jäkel
1  Universitätsklinik Jena, Klinik für Geburtsmedizin, Jena, Deutschland
,
B Bocker
2  Universitätsklinik Jena, Institut für Physiotherapie, Jena, Deutschland
,
E Schleußner
1  Universitätsklinik Jena, Klinik für Geburtsmedizin, Jena, Deutschland
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Jede 2. Frau erlebt im Laufe einer Schwangerschaft unterschiedlichste, teils intensive muskuläre und vertebrale Schmerzsymptome. Die Änderungen des Hormonprofiles in der Schwangerschaft zur Optimierung der Sehnen- und Bänderbeschaffenheit vor und während der Geburt, führt zu physiologischen Anpassungsvorgängen in der Statik jeder Schwangeren. Dies führt vor allem bei bereits bestehenden krankhaften Veränderungen und Fehlhaltungen zu akuten Schmerzsyndromen. Diese Symptome verschlechtern sich mit fortschreitender Schwangerschaft und beeinflussen das Wohlbefinden maßgeblich.

Durchführung:

Mobilisation und Manipulation sind Anwendungen der MM um schmerzverursachende, reversible, hypomobile Gelenkdysfunktionen [Blockierung] des Bewegungsapparates und damit verbundene muskuläre Dysbalancen zu beheben. Ebenso können Dehnungen, Triggerpunktbehandlungen sowie postisometrische Relaxation als Weichteiltechniken angewandt werden. Diese Therapiestrategien sind in der Geburtsmedizin von zunehmender Bedeutung, insbesondere, da durch den gezielten Einsatz eine Reduktion an medikamentöser Schmerztherapie erreicht werden kann.

Methode:

An der Klinik für Geburtsmedizin haben wir ein ambulantes Angebot für die Manuelle Medizin während der Schwangerschaft eingerichtet und wie berichten hier über unsere ersten Erfahrungen.

Ergebnis:

Es wurden Patientinnen mit Rücken-, ISG-, Becken- und Kopfschmerzen behandelt, welche subjektiv deutlich Besserung erlebten.

Zusammenfassung:

Die Manuelle Medizin bietet uns viele Möglichkeiten, Schwangere mit Funktionseinschränkungen und Beschwerden zu behandeln. Eine kontinuierliche Therapie verbessert bereits nach wenigen Anwendungen die Lebensqualität der Betroffenen. Wiederholt und intensiv betreute Frauen erleben den Geburtsschmerz als weniger dramatisch.

Schlussfolgerung:

Die manuelle Medizin bietet auch uns Geburtshelfern viele gute Behandlungsalternativen und sollte neben der medikamentösen Analgesie, sowie bekannte „alternative“ Anwendungen (Homöopathie, Akkupunktur) in unserem Patientenkollektiv als ergänzende, gut tolerierbare Therapie angeboten werden.