Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 280-281
DOI: 10.1055/s-0038-1671614
Freie Vorträge
Donnerstag, 01.11.2018
Diabetes in der Schwangerschaft: wo stehen wir?
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Maternale Adipositas, nicht Diabetes per se, ist der stärkste antepartale Risikofaktor für Schulterdystokie

J Vetterlein
1  St. Joseph Krankenhaus Berlin Tempelhof, Klinik für Gynäkologie & Geburtshilfe, Diabeteszentrum für Schwangere, Berlin, Deutschland
,
C Döhmen
1  St. Joseph Krankenhaus Berlin Tempelhof, Klinik für Gynäkologie & Geburtshilfe, Diabeteszentrum für Schwangere, Berlin, Deutschland
,
H Voß
1  St. Joseph Krankenhaus Berlin Tempelhof, Klinik für Gynäkologie & Geburtshilfe, Diabeteszentrum für Schwangere, Berlin, Deutschland
,
L Dittkrist
1  St. Joseph Krankenhaus Berlin Tempelhof, Klinik für Gynäkologie & Geburtshilfe, Diabeteszentrum für Schwangere, Berlin, Deutschland
,
W Henrich
2  Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow Klinikum, Klinik für Geburtsmedizin, Berlin, Deutschland
,
C Klapp
2  Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow Klinikum, Klinik für Geburtsmedizin, Berlin, Deutschland
,
K Scherer
2  Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow Klinikum, Klinik für Geburtsmedizin, Berlin, Deutschland
,
D Schlembach
3  Vivantes Klinikum Neukölln, Klinik für Geburtsmedizin, Berlin, Deutschland
,
B Ramsauer
3  Vivantes Klinikum Neukölln, Klinik für Geburtsmedizin, Berlin, Deutschland
,
M Abou-Dakn
1  St. Joseph Krankenhaus Berlin Tempelhof, Klinik für Gynäkologie & Geburtshilfe, Diabeteszentrum für Schwangere, Berlin, Deutschland
,
U Schäfer-Graf
1  St. Joseph Krankenhaus Berlin Tempelhof, Klinik für Gynäkologie & Geburtshilfe, Diabeteszentrum für Schwangere, Berlin, Deutschland
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Further Information

Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Schulterdystokie (SD) gehört zu den gefürchtetsten subpartalen Komplikationen. Die letzte Datenerhebung stammt aus dem Jahr 1991 (Langer). Ziel der Arbeit ist eine aktuelle Risikoevaluation für das Auftreten von SD unter besonderer Berücksichtigung von Schwangerschaften mit Diabetes.

Material und Methoden:

Die vorläufige retrospektive Auswertung umfasste 4784 Geburten aus den Jahren 2014/2015. Einschlusskriterien waren Einlingsschwangerschaften und vaginale Geburten aus Schädellage mit ≥37+0 SSW. 9,9% (476) der Frauen hatten einen Gestationsdiabetes oder präexistenten Diabetes. Die Prävalenz von SD betrug 0,9% (41).

Ergebnisse:

SD trat signifikant häufiger auf bei BMI≥30 kg/m2 (2,1% vs. 0,7%, p = 0,004) und Diabetes (1,7% vs. 0,8%, p = 0,049). Alter, Parität und Vakuumentbindung waren nicht, Geburtseinleitung (p = 0,056) borderline signifikant mit SD assoziiert. In der multivariaten Analyse der antepartalen Risikofaktoren verblieb nur BMI≥30 kg/m2 als signifikant unabhängiger Risikofaktor (OR 2,4, CI 1,1 – 5,0, p = 0,022).

Tab. 1:

Prävalenz von SD in Abhängigkeit vom maternalen BMI und Diabetes

BMI

Total Anzahl

Total davon SD

NonDM Anzahl

NonDM davon SD

DM Anzahl

DM davon SD

< 25,0

3190

23 (0,7%)

3007

19 (0,6%)

183

4 (2,2%)

25,0 – 29,9

1067

7 (0,7%)

919

6 (0,7%)

148

1 (0,7%)

≥30

527

11 (2,1%)

382

8 (2,1%)

145

3 (2,1%)

Die SD-Rate stieg mit dem Geburtsgewicht von 4250 g an: < 3500 g: 9 (0,3%), 3501 g–3749 g: 6 (0,6%), 3750 g–3999 g: 10 (1,5%), 4000 g–4249 g: 5 (1,5%), 4250 g–4499 g: 9 (7,1%), ≥4500 g: 2 (4,5%). Wurde das Geburtsgewicht ≥4250 g (OR 8,1, CI 3,9 – 16,8, p < 0,001) in die multivariate Analyse einbezogen, war dieses neben BMI ≥30 (OR 2,1, CI 1,01 – 4,5, p = 0,048) der stärkste unabhängige Risikofaktor.

Zusammenfassung:

Diabetes per se ist kein unabhängiger Risikofaktor mehr für SD, vermutlich beruhend auf verbesserten Methoden der Stoffwechseleinstellung, sondern maternale Adipositas. Für das Geburtsgewicht liegt der Cut-off-Wert für eine Steigerung der Prävalenz bei 4250 g. Beim Kongress wird ein aktuelles Modell zur Risikoabschätzung basierend auf 15.000 Fällen präsentiert werden.