Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 283-284
DOI: 10.1055/s-0038-1671622
Freie Vorträge
Donnerstag, 01.11.2018
Suchterkrankungen in der Perinatalmedizin
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Schwanger? – Mein Kind trinkt mit! Alkohol? – Kein Schluck. Kein Risiko! Studienergebnisse zu Relevanz und Erfolg des BMG-ÄGGF-Projekts schulischer FASD-Primärprävention im Vorfeld von Schwangerschaften

H Kramer
1  Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung e.V., Spardorf, Deutschland
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Publication History

Publication Date:
20 September 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Untersuchung von Wissenszuwachs, Akzeptanz und Verhaltensabsichten der TeilnehmerInnen des schulischen FASD-Primärpräventionsprojekts der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung e.V. (ÄGGF).

Materialien:

2015 – 2018 startete die ÄGGF gefördert vom BMG das bundesweit erste Schulprojekt zur „FASD-Primärprävention im Vorfeld von Schwangerschaften“, für SchülerInnen ab der 8. Klasse. Es wurden 1.200 Veranstaltungen (à 90 Minuten pro Schulklasse) mit ca. 20.000 TeilnehmerInnen durchgeführt. Sie entwickelte hierzu spezielle didaktische Materialien (z.B. FASD-Neugeborenenpuppe und Flyer).

Methoden:

Eine begleitende randomisierte, kontrollierte Evaluation mit Wartekontrollgruppe wurde vom Institut für Therapieforschung in Kiel (IFT-Nord) in 130 Schulklassen durchgeführt.

Ergebnisse:

Die Studie zeigt große Wissensdefizite zu FASD und Umgang mit Alkohol in der Schwangerschaft vor der Intervention und signifikante Wissensverbesserungen danach. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse großes Interesse der TeilnehmerInnen am Thema, sowie positive Verhaltensabsichten in Bezug auf den Umgang mit Alkohol in einer spätere Schwangerschaft und den Wunsch nach Multiplikation der erhaltenen Informationen.

Zusammenfassung:

Alkoholkonsum auch in größeren Mengen ist bei Mädchen und jungen Frauen real und in ihren Peergroups häufig akzeptiert. Aber das Wissen zum Umgang mit Alkohol in einer späteren eigenen Schwangerschaft und den Folgen pränataler Alkoholexposition, ist trotz gegenteiliger Selbsteinschätzung, zu gering. Um die Zahl der betroffenen Neugeborenen (aktuell ca. 10.000/Jahr) zu senken, ist eine wiederholte Informationsvermittlung zur Erzielung eines sicheren Wissens und verlässlicher Handlungskompetenz dringend notwendig. Das von der ÄGGF konzipierte und durchgeführte FASD-Präventionsprojekt ist hierfür sehr gut geeignet und bundesweit übertragbar.

Der Vortrag präsentiert die Studienergebnisse inklusive Projektverlauf und -durchführung, sowie mögliche Zugangswege zu jungen Menschen auch in der Praxis.