Geburtshilfe Frauenheilkd 2018; 78(10): 287
DOI: 10.1055/s-0038-1671633
Freie Vorträge
Freitag, 02.11.2018
Überaktive Blase
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Sexualstörungen bei Frauen mit Überaktiver Blase und Belastungsinkontinenz

D Frohnmeyer
1  St Josefs Hospital, Frauenklinik, Wiesbaden, Deutschland
,
R Lange
2  Klinikum Worms, Beckenbodenzentrum, Worms, Deutschland
,
T Hitschold
3  Frauenklinik, Worms, Deutschland
,
G Naumann
4  Frauenklinik, Erfurt, Deutschland
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Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
20. September 2018 (online)

 

Zielsetzung:

Über den Zusammenhang zwischen Sexualstörungen und Belastungsinkontinenz gibt es zahlreiche Publikationen nicht aber zur Korrelation zur Überaktiver Blase (Overactive Bladder, OAB).

Fragestellung:

Wir untersuchten sexuelle Probleme von Frauen mit OAB.

Material und Methode:

Insgesamt 106 Frauen einer uro-gynäkologischen Praxis wurden mit einem standardisierten, validierten Fragebogen (FSFI) zu ihrem Sexualleben befragt. 65 Frauen waren harninkontinent und wurden einer kompletten urodynamischen Untersuchung unterzogen. 31 Frauen (Kontrollgruppe) hatten keine Miktionsstörung. Die Sexualanamnese anhand eines validierten Fragebogens „Female Sexual Function Index“ (FSFI-d) bezogen sich auf verschiedene Bereiche sexuellen Erlebens in den letzten vier Wochen. Insgesamt können zwischen 0 und 36 Punkten (Gesamtscore) erreicht werden.

Ergebnisse:

Es konnten 100 Fragebögen ausgewertet werden (94,3%). Von den 100 Frauen litten 34 unter einer Belastungsinkontinenz, 35 unter einer Überaktiven Blase, 31 hatten keinerlei Inkontinenz (Kontrollgruppe). Der Altersdurchschnitt lag bei 56 Jahren. Insgesamt wurden Werte zwischen 2 und 35,1 erreicht. Der Median des Gesamtscores der OAB-Patientinnen (17,6) war signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe (26,5) (p = 0,004). Der Unterschied zwischen Belastungsinkontinenz (21,95) und Kontrollgruppe (26,5) war auffällig, aber statistisch nicht signifikant (p = 0,051). Inkontinenz während des Geschlechtsverkehrs gaben 5% der OAB-Patientinnen (1/21), 25% der Belastungsinkontinenzpatientinnen (4/20) und keine Frau der Kontrollgruppe an.

Conclusio:

Obwohl OAB-Patientinnen seltener eine Beeinträchtigung ihres Sexuallebens durch den Verlust von Urin während des Geschlechtsverkehrs beschreiben, treten Sexualstörungen deutlich häufiger bei OAB-Patientinnen als bei Frauen ohne Inkontinenz oder Belastungsinkontinenz auf. Es ist weder klar, ob die Symptome der OAB das Sexualleben beeinträchtigen oder umgekehrt, noch ob es eine gemeinsame Ursache gibt.