Geburtshilfe Frauenheilkd 2019; 79(02): 208
DOI: 10.1055/s-0039-1678370
Kurzvorträge 2: Psychosomatische Geburtshilfe, Trauma – Migration – Intervention
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Multimodale, achtsamkeitsbasierte Interventionen als psychotherapeutischer Intervention in der gynäkologischen Psychosomatik und in der Geburtsvorbereitung

H Kaya
1  Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, LVR Klinikum Essen
,
L Reddemann
2  Institut für Psychotraumatologie, Köln
,
M Beckmann
1  Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, LVR Klinikum Essen
,
S Tagay
1  Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, LVR Klinikum Essen
,
M Teufel
1  Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, LVR Klinikum Essen
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Publication History

Publication Date:
18 February 2019 (online)

 

Einleitung Angsterkrankungen und Depression korrelieren mit Schwangerschaftskomplikationen wie einer erhöhten Rate an Spontanaborten, Frühgeburtlichkeit und einer um 10% erhöhten Kaiserschnittrate. Studien belegen weitere geburtshilfliche Komplikationen, wie SGA (small for gestation age), schlechtes neonatales outcome und Anfälligkeiten für negative neurologische Entwicklungsergebnisse. Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse gilt es, in der besonders vulnerablen Phase der Schwangerschaft, ein niederschwelliges präventives Angebot zur Stabilisierung bei intra-, peri- und postpartaler psychischer Belastung und deren weitreichender Folgen für die Folgegeneration, zu etablieren und darüber hinaus einen Beitrag zur gesellschaftspolitischen Debatte um das Thema der „Gewalt unter der Geburt“ und „Senkung der Kaiserschnittrate“ zu leisten.

Methoden Die Teilnehmerinnen im 3. Trimenon der Schwangerschaft und ihre Partner durchlaufen einen 8-wöchigen Geburtsvorbereitungskurs, in Anlehnung an das MBCP Programm, Mindfulness-Based Childbirth and Parenting. Die Kontrollgruppe nimmt an einem regulären 8-wöchigen Geburtsvorbereitungskurs für Paare teil. Mithilfe standardisierter Fragebögen werden die Parameter Angstniveau, Depressivität, Belastung durch Stress, das Erleben von Selbstwirksamkeit, emotionale Selbstregulation und die Lebensqualität erfasst. Die Evaluation wird vor, unmittelbar nach dem Geburtsvorbereitungskurs sowie zur Erfassung der Langzeiteffekte drei und 12 Monate nach der Intervention erfolgen.

Ergebnisse Vielversprechende Ergebnisse aus achtsamkeitsbasierten Geburtsvorbereitungskursen geben Hinweise auf die Notwendigkeit einer Implementierung multimodaler achtsamkeitsbasierter Verfahren zur Behandlung psychisch kranker schwangere Frauen.

Schlussfolgerung Zur Stärkung der psychosomatischen Aspekte in der gynäkologischen Behandlung bedarf es validierter Studien. Auf der Tagung sollen erste Erfahrungen und Ergebnisse vorgestellt und diskutiert werden.