Geburtshilfe Frauenheilkd 2019; 79(02): 209-210
DOI: 10.1055/s-0039-1678374
Kurzvorträge 3: Psychosomatische Gynäkologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Beeinflussen verschiedene Behandlungsstrategien die psychische Belastung von Frauen? – Eine prospektive Follow-up-Studie bei Frauen mit prämalignen HPV-assoziierten Genitalveränderungen

O Reich
1  Gynäkologie, Universitäts-Frauenklinik Graz, Österreich
,
E Greimel
1  Gynäkologie, Universitäts-Frauenklinik Graz, Österreich
,
M Dorfer
1  Gynäkologie, Universitäts-Frauenklinik Graz, Österreich
,
G Trutnovsky
1  Gynäkologie, Universitäts-Frauenklinik Graz, Österreich
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
18 February 2019 (online)

 

Ziel Die Auswirkungen verschiedener Behandlungsstrategien (chirurgische Behandlung vs. wachsames Warten) auf sexuelle Aktivität, psychosoziale Belastung und Fortschrittsangst bei Frauen mit humanen Papillomaviren (HPV)-assoziierten vorgeburtlichen Genitalveränderungen wurden untersucht.

Methoden Patienten, bei denen HPV-assoziierte prämaligne Läsionen des Gebärmutterhalses, der Vagina oder der Vulva diagnostiziert wurden, füllten den Fragebogen dreimal aus: nach klinischer Bewertung (Ausgangswert), bei Nachuntersuchungen nach 6 und 12 Monaten. Die Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt, abhängig von der Schwere ihrer Prävalenz: chirurgische Behandlung oder wachsames Warten. Es wurden validierte, von Patienten verabreichte Fragebögen verwendet: ein Fragebogen für Angst vor der Progression (FoP – Q), ein Fragebogen für die Zervikale Dysplasie (CDDQ) und Fragebogen zur sexuellen Aktivität (SAQ).

Ergebnisse 209 Frauen, die operiert wurden (N = 125), wurden mit Frauen verglichen, die in regelmäßigen Abständen beobachtet wurden (N = 82). Während eines Beobachtungszeitraums von 12 Monaten gab es keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf Fortschreitungsangst, psychosoziale Belastung und sexuelle Aktivität (p > 0,05). Das Ausmaß der Sorgen und Zukunftsängste sowie die Angst vor einer Progression waren vorwiegend zu Beginn vorhanden. Während sich die Anspannung von Besuch zu Besuch in beiden Gruppen geringfügig erhöhte, konnten die Patienten ihre klinische Situation im Allgemeinen gut bewältigen.

Schlussfolgerungen Die Angst vor dem Fortschreiten, psychosozialer Belastung und sexueller Aktivität bei Frauen mit präkanzerösen Genitalveränderungen im Zusammenhang mit HPV scheint unabhängig von der Art der Behandlung zu sein. Die Ergebnisse informieren die Kliniker, dass beide Behandlungsstrategien ohne größere psychische Folgen angewendet werden können, sofern ausreichende Informationen zur Verfügung stehen.