Geburtshilfe Frauenheilkd 2019; 79(02): 210
DOI: 10.1055/s-0039-1678375
Kurzvorträge 3: Psychosomatische Gynäkologie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Reziproke Wirkungen von Endometriose, Kinderwunsch und Partnerschaft bei Patientinnen und Partnern

M Geiser
1  Klinik für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Medizinische Universität Innsbruck (MUI), Österreich
,
M Schick
2  Institut für Medizinische Psychologie im Zentrum für Psychosoziale Medizin (ZPM), Universitätsklinikum Heidelberg
,
T Wischmann
2  Institut für Medizinische Psychologie im Zentrum für Psychosoziale Medizin (ZPM), Universitätsklinikum Heidelberg
,
B Toth
1  Klinik für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Medizinische Universität Innsbruck (MUI), Österreich
,
B Böttcher
1  Klinik für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Medizinische Universität Innsbruck (MUI), Österreich
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Publication History

Publication Date:
18 February 2019 (online)

 

Einleitung Endometriose (EM) und unerfüllter Kinderwunsch (Kiwu) können Auswirkungen auf die Lebensqualität und die Partnerschaft haben. Partnerschaftliche Unterstützung wiederum kann den Verlauf positiv beeinflussen und verbundene Belastungen reduzieren. Diese Fragebogenstudie untersucht die gegenseitige Beeinflussung von EM, Kiwu und Partnerschaft.

Methoden Patientinnen der Klinik für gyn. Endokrinologie und Reproduktionsmedizin der MUI mit EM/Kiwu nach Laparoskopie und ihre Partner wurden eingeschlossen. Die standardisierten Fragebögen (86 Fragen für Patientinnen, 71 für Partner) umfassten soziodemografische und psychosoziale Parameter, Fragen zu EM/Kiwu sowie Ausschnitte diverser klinischer Fragebögen. Die statistische Auswertung erfolgte mittels SPSS.

Ergebnisse 82 Frauen und 73 Partner nahmen teil (EM n = 24, Kiwu n = 14, EM und Kiwu n = 44). Sie sind mit ihrer Beziehung sehr zufrieden, weniger mit ihrem Sexualleben. Kiwu-Patientinnen mit EM machen sich im Vergleich zu reinen Kiwu-Patientinnen signifikant mehr Sorgen. Patientinnen fühlen sich hinsichtlich des unerfüllten Kiwu (p < 0,001) hilfloser als die Partner. Es besteht ein signifikanter negativer Zusammenhang zwischen der Partnerschaftszufriedenheit und der emotionalen Belastung durch den Kiwu (rs = −0,283, p = 0,040) sowie mit der Intensität der EM-Schmerzen (rs = −0,260, p = 0,039). Beeinträchtigung der Freizeitaktivitäten der Partner durch EM ihrer Partnerin korreliert positiv mit ihrem Risiko für Depressivität (rs = 0,408, p = 0,003) und ihrem Stresslevel (rs = 0,298, p = 0,030).

Schlussfolgerung EM/Kiwu stellen eine physische und psychische Belastungssituation für Patientinnen und Partner dar. Bei der Behandlung sollte daher ein multiprofessionelles Konzept angewendet werden und in diesem Rahmen auch eine psychologische Unterstützung angeboten werden.