Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere 2019; 47(02): 141
DOI: 10.1055/s-0039-1679125
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Rassespezifische anatomische Unterschiede des Hundefemurs

T Plenert
1  Klinik für Kleintiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover
,
L Harder
1  Klinik für Kleintiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover
,
M Lüpke
2  Fachgebiet Allgemeine Radiologie und Medizinische Physik der Tierärztlichen Hochschule Hannover
,
I Nolte
1  Klinik für Kleintiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover
,
JP Bach
1  Klinik für Kleintiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover
› Author Affiliations
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Publication History

Publication Date:
23 April 2019 (online)

 

Ziel der Studie:

Aufgrund der beträchtlichen Unterschiede in Körpergröße und Körperbau verschiedener Hunderassen ist auch in Bezug auf die Form verschiedener Knochen eine große Varianz zwischen den Rassen zu erwarten. Im Rahmen dieser Studie wird der Zusammenhang zwischen Hunderasse und Femuranatomie untersucht.

Material und Methoden:

Retrospektiv wurden CT-Datensätze von vier ausgewählten Hunderassen mit einer Gesamtanzahl von 30 Femora untersucht: Dackel (n = 6), Deutscher Schäferhund (DSH; n = 8), Französische Bulldogge (Franz. Bulld.; n = 6), Labrador Retriever (n = 10). Mit dem Computerprogramm Thermo Scientific™ Amira wurden anhand der CT-Daten 3D-Rekonstruktionen der Femora erstellt. Anschließend wurden der Flare-Index der Markhöhle, der Femurkopf-Hals-Winkel (FKH-Winkel), die Krümmung des Femurs sowie die Volumina von Kortikalis und Markhöhle gemessen. Für normalverteilte Werte erfolgte der Rassenvergleich mittels 2-Stichproben-t-Test (statitisches Signifikanzniveau < 5%).

Ergebnisse:

Statistisch signifikante Unterschiede konnten für den FKH-Winkel zwischen den Rassen Dackel und Labrador (p**= 0,002) sowie DSH und Labrador (p* = 0,02), für den Flare-Index zwischen Dackel und Labrador (p* = 0,02) sowie Dackel und Franz. Bulld. (p* = 0,04) und für das Volumenverhältnis von Kortikalis zu Markhöhle zwischen Franz. Bulld. und Labrador (p*** = 0,0004), DSH und Franz. Bulld. (p*** < 0,0001) sowie DSH und Labrador (p*** < 0,0001) ermittelt werden.

Schlussfolgerungen:

Die Ergebnisse der Studie zeigen eine große rassespezifische Varianz der anatomischen Gegebenheiten des Hundefemurs. Gerade auch im Hinblick auf Knochenmarkspunktionen am Femur sind rassespezifische Unterschiede der Markhöhlenverhältnisse und Femuranatomie relevant, um eine sichere und erfolgreiche Punktion gewährleisten zu können. Weiterhin legen die Ergebnisse nahe, dass der Einsatz rassespezifischer oder patientenindividueller Implantate in der chirurgischen Versorgung kaniner Patienten vorteilhaft sein könnte. Insbesondere bei Hüftprothesen könnte eine Anpassung des FKH-Winkels zu einer Verbesserung der Operationsresultate führen.