Aktuel Ernahrungsmed 2019; 44(02): 143-144
DOI: 10.1055/s-0039-1684913
7) Klinische Ernährungsmedizin II: Adipositas, metabolisches Syndrom
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Einfluss verschiedener Adipositastherapien auf die frühen Veränderungen Diabetes-spezifischer Parameter bei Patienten mit Typ 2 Diabetes und Prädiabetes

T Jähnichen
1  Institut für Ernährungsmedizin, Universität Hohenheim, Stuttgart
,
A Schweinlin
1  Institut für Ernährungsmedizin, Universität Hohenheim, Stuttgart
,
J Ankert
1  Institut für Ernährungsmedizin, Universität Hohenheim, Stuttgart
,
K Ketterer
2  Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Karl-Olga-Krankenhaus, Stuttgart
,
MW Müller
2  Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Karl-Olga-Krankenhaus, Stuttgart
,
J Lange
3  Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen
,
A Königsrainer
3  Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen
,
SC Bischoff
4  Institut für Ernährungsmedizin, Universität Hohenheim, Stuttgart
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
26. April 2019 (online)

 

Einleitung:

Adipositas gilt als ein wichtiger Risikofaktor bei der Entstehung des Diabetes Mellitus Typ 2 (T2DM). Konservative und operative Therapieansätze führen zu einer effektiven Gewichtsreduktion. Nach einem adipositaschirurgischen Eingriff tritt noch vor einer relevanten Gewichtsreduktion eine Remission des T2DM auf1, die Mechanismen sind jedoch noch ungeklärt. In einer prospektiven, kontrollierten Humanstudie sollte untersucht werden, ob die durch die postoperative Aufbaukost bedingte Kalorienrestriktion an sich oder aber andere Mechanismen in Folge des Eingriffs eine Verbesserung des Glucosemetabolismus bei (Prä-) Diabetikern hervorruft.

Methode:

Es wurden 40 (Prä-) Diabetiker mit einem BMI ≥35 kg/m2 eingeschlossen, je 20 in der OP- und Kontrollgruppe (OPG bzw. KG). Die KG erhielt eine fünftägige Diät, welche isokalorisch zur postoperativen Aufbaukost war. Vor den Interventionen (U1) sowie am Entlassungstag bzw. nach fünftägiger Diätintervention (U3) wurden anthropometrische Daten, Nüchtern-Plasmaglucose, Insulinresistenz mittels Homeostasis Model Assessment for Insulin resistance (HOMA-IR), der mittels Mixed-Meal-Toleranztest (MMTT) bestimmte Insulinsensitivitäts-Index nach Matsuda (MISI), sowie das Inkretin Glucagon-Like-Peptide-1 (GLP-1) erhoben.

Ergebnisse:

Bis auf einen höheren Ausgangs-BMI der OPG lagen bei der U1 keine Gruppenunterschiede vor. Der relative Gewichtsverlust (RWL) unterschied sich zwischen den beiden Gruppen nicht (OPG: -2,78 ± 1,56%; KG: -3,18 ± 1,16%). Verglichen mit der U1 zeigten beide Gruppen postinterventionell (U3) niedrigere Nüchtern-Plasmaglucose-Werte (OPG: 128 ± 31 mg/dL zu 98 ± 18 mg/dL, p < 0,001; KG: 143 ± 45 mg/dL zu 127 ± 47 mg/dL, p < 0,05), einen höheren MISI (OPG: 1,67 ± 0,79 zu 4,36 ± 2,39, p < 0,001; KG: 1,54 ± 0,85 zu 2,52 ± 1,35, p < 0,01) und eine gesunkene Insulinresistenz (OPG: 12,55 ± 9,76 zu 3,76 ± 2,60, p < 0,001; KG: 11,59 ± 7,02 zu 6,62 ± 3,68, p < 0,05), die jeweils in der OPG ausgeprägter waren. Der MISI in der OPG war postinterventionell höher als in der KG (p < 0,01). Eine Steigerung der GLP-1-Maximalsekretion beim MMTT trat nur in der OPG auf (5,8 ± 4,1 pmol/L zu 23,4 ± 18,0 pmol/L, p < 0,01). Zwischen Veränderungen des MISI bzw. HOMA-IR und dem Gewichtsverlust gab es in beiden Gruppen keine einheitlichen Korrelationen.

Schlussfolgerung:

Die in der OPG aufgetretenen Verbesserungen von MISI und GLP-1-Sekretion lassen vermuten, dass die adipositaschirurgische Operation mit metabolischen und anatomischen Veränderungen einhergeht, die maßgeblich an der Remission des T2DM beteiligt sind. Die in beiden Gruppen auftretende Verbesserung des Glucosemetabolismus ist vermutlich im Wesentlichen auf die Kalorienrestriktion zurückzuführen. Diese Verbesserungen sind gewichtsunabhängig.

Literatur:

[1] Pournaras DJ, Osborne A, Hawkins SC, et al. Remission of type 2 diabetes after gastric bypass and banding: mechanisms and 2 year outcomes. Ann Surg. 2010;252:966 – 71.