Zeitschrift für Phytotherapie 2019; 40(S 01): S19-S20
DOI: 10.1055/s-0039-1697283
Vorträge
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Nahrungsergänzungsmittel auf Brokkolibasis – eine Frage der Qualität!

M Lechtenberg
1   Universität Münster, Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie, Münster, Deutschland
,
A Hensel
1   Universität Münster, Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie, Münster, Deutschland
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Publication Date:
09 September 2019 (online)

 

Brokkoli (Brassica oleracea var. italica Plenck) ist eine Kulturform des Gemüsekohls und stammt aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Vertreter dieser Familie zeichnen sich durch das Vorkommen von bioaktiven pflanzlichen Sekundärstoffen aus, die zu der Gruppe der Glucosinolate (GSL) gerechnet werden. Man nimmt heute an, dass GSL in der Lage sind, das allgemeine Krebsrisiko zu mindern, indem sie die Aktivität metabolisierender Enzyme steigern und zelluläre Mechanismen der Krebsentstehung beeinflussen [1]. Verantwortlich für diesen Effekt sind in besonderer Weise die aus den genuin vorkommenden GSL durch enzymatischen Abbau entstehenden Isothiocyanate (ITC). GSL und ITC werden heute allgemein zu den chemopräventiv wirkenden pflanzlichen Sekundärstoffen gerechnet. Vor allem für Sulforaphan (SFN), das aus dem in Brokkoli vorkommenden Glucoraphanin (GR) gebildet wird (Abb.), konnte in einigen Studien ein chemoprotektiver Effekt nachgewiesen werden [2]. Eine außergewöhnlich reichhaltige Quelle für GR (und damit auch für SFN) sind junge Brokkolisprossen [3]. Sie enthalten einen deutlich höheren Gehalt an GR als marktübliche Brokkoliköpfe (= Infloreszenzen).

Heute wird v.a. im Internet eine Vielzahl an Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) auf Basis von Brokkoli angeboten. Trotz gesetzlicher Vorgaben für NEM [4] ist die Zusammensetzung und Qualität der Produkte nicht in jedem Fall gesichert und auch in der Regel für den Verbraucher intransparent. Mit einer eigens für diesen Zweck entwickelten kapillarelektrophoretischen Methode [5] wurden deshalb in einer stichprobenartigen Marktuntersuchung NEM auf Brokkolibasis qualitativ und quantitativ untersucht. Das Ergebnis der Untersuchungen offenbarte große Qualitätsunterschiede. Von den 14 untersuchten Proben entsprachen nur 5 den eigenen Spezifikationen, einige enthielten erhebliche Mengen an Brokkoli-untypischen GSL und in einigen waren trotz expliziter Deklaration weder GR noch SFN nachweisbar.

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Abb. 1: Vereinfachte schematische Darstellung der enzymatischen Umsetzung von Glucoraphanin zu Sulforaphan durch pflanzeneigene Myrosinasen.

Danksagung:

Wir danken Dr. Jandirk Senker für die Unterstützung bei der LC/qTOF-Absicherung der CE-Befunde.

Literatur:

[1] Cruciferous vegetables, isothiocyanates and indoles, WHO/IARC handbooks of cancer prevention, Vol. 9. Lyon: IARC Press; 2004

[2] Mokhtari RB et al. Cell Commun Signal 2018; 12: 91 – 101

[3] Fahey JW et al. Proc Natl Acad Sci USA 1997; 94: 10367 – 10372

[4] Richtlinie 2002/46/EG (NemRL) und Nahrungsergänzungsmittelverordnung (NemV)

[5] Lechtenberg M, Hensel A. J Food Compos Anal 2019; 78: 138 – 149