Zeitschrift für Phytotherapie 2019; 40(S 01): S28-S29
DOI: 10.1055/s-0039-1697300
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Zytotoxische Effekte eines traditionell verwendeten Extraktes aus Alstonia-boonei-Blättern

L Greiffer
1   Universität Münster, Institut für pharmazeutische Biologie und Phytochemie, Münster, Deutschland
,
V Spiegler
1   Universität Münster, Institut für pharmazeutische Biologie und Phytochemie, Münster, Deutschland
,
J Jacobtorweihen
1   Universität Münster, Institut für pharmazeutische Biologie und Phytochemie, Münster, Deutschland
,
A Hensel
1   Universität Münster, Institut für pharmazeutische Biologie und Phytochemie, Münster, Deutschland
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
09. September 2019 (online)

 

In einer ethnopharmakologischen Feldstudie in der Ashanti-Region in Ghana, wurden traditionelle Heiler bezüglich ihrer Behandlungsmethoden verschiedener Krebserkrankungen befragt [1]. Aus 151 genannten Pflanzen wurden 13 für ein weiterführendes In-vitro-Screening selektiert. Ausgewählt wurden die in der Feldstudie am häufigsten verwendeten Arten sowie Drogen, für die eine potenzielle zytotoxische Wirkung bisher nicht dokumentiert ist oder keine ausreichenden phytochemischen Daten vorliegen. Ethanol-Wasser-Extrakte (50:50) aus unterschiedlichen Teilen der ausgewählten Pflanzen wurden je nach traditioneller Verwendung an 9 verschiedenen Krebszelllinien mittels MTT-Test hinsichtlich des jeweiligen zytotoxischen Potenzials getestet. Doxorubicin diente als Positivkontrolle. Dabei zeigte der Extrakt aus Alstonia-boonei-Blättern eine moderate zytotoxische Wirkung an allen verwendeten Zelllinien mit IC50-Werten zwischen 22,8 µg/ml in HL-60-Zellen (Leukämie) und 73,1 µg/ml in MDA-MB-231-Zellen (Brustkrebs), während der Extrakt aus A.-boonei-Wurzeln interessanterweise keine zytotoxische Wirkung zeigte.

Ein phytochemisches Screening mittels LC-MS wies auf Indolalkaloide als dominante Substanzklasse in beiden Extrakten hin, die vermutlich wirksamkeitsbestimmend sind [2]. Die Hauptalkaloide des Blattextraktes waren allerdings auch im unwirksamen Wurzelextrakt zu finden. Die unterschiedliche Aktivität der Extrakte ist daher vermutlich auf quantitative Unterschiede in der Alkaloidzusammensetzung zurückzuführen. Durch wiederholtes Ausschütteln in Ethylacetat nach Ansäuern bzw. Alkalisieren konnten die Alkaloide beider Extrakte angereichert werden. Die so erhaltene Alkaloidfraktion soll in weiterführenden Untersuchungen phytochemisch und in Bezug auf den zu Grunde liegenden Wirkmechanismus charakterisiert werden.

Insgesamt unterstützen die In-vitro-Ergebnisse dieser Studie die traditionelle Anwendung des Extrakts aus A.-boonei-Blättern in der Behandlung von Brust- und Hautkrebs.

Literatur:

[1] Agyare C et al. J Ethnopharmacol 2018; 212:137 – 152

[2] Adotey J et al. ISRN Pharmacol 2012. doi:10.5402/2012/587160