Zeitschrift für Phytotherapie 2019; 40(S 01): S36
DOI: 10.1055/s-0039-1697316
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Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Einfluss von Naturstoffen auf die Antibiotikaresistenz von klinisch relevanten Bakterien

S Schmidt
1   Institut für Pharmazie, Freie Universität Berlin, Berlin, Deutschland
,
S Bereswill
2   Institut für Mikrobiologie und Infektionsimmunologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
,
MM Heimesaat
2   Institut für Mikrobiologie und Infektionsimmunologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
,
MF Melzig
1   Institut für Pharmazie, Freie Universität Berlin, Berlin, Deutschland
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Publication Date:
09 September 2019 (online)

 

Die Resistenz von kommensalen Bakterien gegenüber Standard- und Reserveantibiotika erreicht in vielen Teilen der Welt ein besorgniserregendes Ausmaß und gefährdet dadurch den Erfolg von antiinfektiven Therapien [1]. Durch die kombinierte Anwendung von Resistenz-modifizierenden Substanzen und Antibiotika bei Infektionen mit multiresistenten Erregern können die Einsatzmöglichkeiten von Standardantibiotika erhalten und die weitere Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen eingedämmt werden. Zur Identifizierung von Resistenz-modifizierenden Naturstoffen wurde der Einfluss methanolischer und wässriger Extrakte von 9 Pflanzen, deren historische Verwendung zur Wundbehandlung belegt ist, sowie von Komponenten dieser Extrakte auf die Antibiotikaresistenz von klinisch relevanten Bakterienarten analysiert. Dazu dienten Referenz- und Patientenisolate von Pseudomonas aeruginosa, Klebsiella pneumoniae, Staphylococcus aureus und Enterococcus faecium, die zu den Erregern von Wundinfektionen zählen und bei dieser Infektionsart die größten Probleme hinsichtlich Antibiotikaresistenzen verursachen. Kombiniert wurden die analysierten Naturstoffe mit Ampicillin, Piperacillin, Imipenem, Aztreonam, Vancomycin und Gentamicin. Der Einfluss auf die Antibiotikaresistenz wurde mit dem Checkerboard-Verfahren untersucht.

Von den analysierten Antibiotika-Naturstoff-Kombinationen zeigten 29 Kombinationen nicht nur eine Verringerung der Antibiotikaresistenz, sondern auch eine synergistische Wechselwirkung zwischen Antibiotikum und Naturstoff. Diese synergistischen Wechselwirkungen traten hauptsächlich bei den beiden grampostiven Erregern (Staphylococcus aureus, Enterococcus faecium) auf. Die stärksten synergistischen Wechselwirkungen zeigten sich bei E. faecium. Die Naturstoffe, die die Antibiotikaresistenzen am stärksten bei E. faecium reduzierten, waren die methanolischen Extrakte von Cetraria islandica bei Gentamicin (Reduktion der minimalen Hemmkonzentration (MHK) für Gentamicin von 16 auf 0,002 µg/ml), von Salvia officinalis bei Vancomycin (Reduktion der MHK für Vancomycin von 256 auf ≤0,016 µg/ml) und die Glycyrrhizinsäure bei Gentamicin (Reduktion der MHK für Gentamicin von 131 072 auf 8 – 16 µg/ml, Patientenisolate mit Hochresistenz).

Literatur:

[1] World Health Organization. Antimicrobial Resistance Global Report on Surveillance. Geneva: WHO Press, 2014