Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere 2019; 47(05): 377
DOI: 10.1055/s-0039-1697778
Abstracts
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Verdacht einer Luftembolie beim Pferd

S Neudeck
1  Klinik für Pferde, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
,
F Söbbeler
2  Klinik für Kleintiere, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
,
H Gergeleit
1  Klinik für Pferde, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
,
A Bienert-Zeit
1  Klinik für Pferde, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
,
S Kästner
1  Klinik für Pferde, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
2  Klinik für Kleintiere, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
18 October 2019 (online)

 

Vorbericht:

Eine 19-jährige Warmblutstute wurde aufgrund einer knöchernen Umfangsvermehrung am Kopf vorgestellt. Die Stute war allgemeingesund und labordiagnostisch unauffällig. Eine Computertomografie des Kopfes in Allgemeinanästhesie wurde empfohlen.

Klinische Allgemeinuntersuchung und Vorbereitung:

Präoperativ wurde ein Venenverweilkatheter (Intraflon 2 12 G, Vygon, Frankreich) in die rechte Jugularvene gelegt. In einem Zeitfenster von 10 Minuten, in dem die Stute unbeobachtet war, hatte sich die Verschlusskappe des Katheters gelöst, sodass eine unbekannte Menge Luft in die Vene eintreten konnte. Bei einer erneuten Allgemeinuntersuchung lagen alle Parameter im Referenzbereich.

Allgemeinanästhesie:

Das Pferd wurde mit Xylazin und Butorphanol prämediziert, mit Diazepam und Ketamin in Allgemeinanästhesie verbracht und mit einem Tubus intubiert. Die Anästhesieerhaltung erfolgte als partiell intravenöse Anästhesie mit Ketamin, Xylazin, Guaifenesin und Isofluran. Zusätzlich wurde Dobutamin infundiert. Direkt nach Instrumentierung lag ein endexspiratorischer Kohlenstoffdioxidpartialdruck von 13 mmHg vor, woraufhin der Verdacht einer Luftembolie geäußert wurde. Salbutamol (2 µg/kg) wurde als Aerosol direkt in den Endotrachealtubus appliziert. Es trat keine Verbesserung ein, sodass die Applikation wiederholt und Atropin 0,01 mg/kg i.v. injiziert wurde. Daraufhin stieg der endexspiratorische Kohlenstoffdioxidpartialdruck innerhalb von 10 Minuten auf 20 mmHg an. Eine IPPV-Beatmung (PIP 20–25 mmHg) mit 100% Sauerstoff wurde initiiert. Die arterielle Blutgasanalyse zeigte eine Hypoxämie und Hyperkapnie. Zum 1. Messzeitpunkt ergab der errechnete alveoläre Totraum (Enghoff) 75% und das Kapnogramm zeigte einen deutlich vergrößerten α-Winkel. Beides normalisierte sich nach weiteren 20 Minuten. Eine ultrasonografische Untersuchung konnte keine Luftansammlung in den Herzkammern nachweisen. In der Aufwachbox wurde das Pferd in Brust-Bauch-Lage verbracht und Sauerstoff nasal verabreicht. Beim ersten Versuch stand das Tier kontrolliert und assistiert auf.

Weiterer Verlauf:

Die Rekonvaleszenzphase des Pferdes war unauffällig.

Diskussion:

Typisches Zeichen einer Luftembolie ist ein Bronchospasmus [1]. Dem Bronchospasmus können auch andere Ursachen zugrunde liegen, wobei aufgrund des Vorberichts hier eine Luftembolie naheliegt. Salbutamol wurde aufgrund der β2-mimetischen und Atropin aufgrund seiner parasympatholytischen Eigenschaften verwendet. Beide Mechanismen bewirken eine Bronchodilatation.

Literatur:

[1] Orebaugh SL. Venous air embolism: Clinical and experimental considerations. Crit Care Med 1992; 20: 1169–1177