Laryngorhinootologie 2016; 95(S 01): S110-S115
DOI: 10.1055/s-0041-109592
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Tonsillektomie bei PANDAS?

Tonsillectomy for PANDAS?
J. P. Windfuhr
1  Klinik für HNO-Krankheiten, Plastische Kopf- und Hals-Chirurgie, Allergologie, Kliniken Maria Hilf, Mönchengladbach
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Publication History

Publication Date:
29 April 2016 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Beim PANDAS (Pediatric Autoimmune Neuropsychiatric Disorders Assocciated with Streptoccocal Infections) handelt es sich um ein Krankheitsbild, bei dem Zwangs- und Ticstörungen auf eine Streptokokken-Infektion zurückgeführt werden. Anhand einer Literaturrecherche sollte geklärt werden, inwieweit die Tonsillektomie (TE) als therapeutische Maßnahme zu empfehlen ist.

Methoden: Bei PubMed wurde mit den Schlagworten tonsillectomy und PANDAS, OCD, compulsive, pediatric autoimmune, Chorea und Tic nach Studien gesucht, in denen die Tonsillektomie zur Behandlung einer PANDAS ausgeführt worden war. Herangezogen wurden ausschließlich Artikel ab 1995 bis zum 31.07.2015. Übersichtarbeiten zum Thema PANDAS ohne Patientendarstellung wurden ausgeschlossen.

Ergebnisse: Insgesamt entsprachen 9 Artikel den Suchkriterien. In 6 Publikationen wird über 8 Einzelfälle berichtet, in denen die TE einen mehr oder weniger positiven Effekt auf die neurologischen Auffälligkeiten ausübte. Daneben fanden sich 3 Fallserien mit insgesamt 173 Patienten, von denen 91 der TE zugeführt worden waren. Die Nachbeobachtungszeit schwankte bei den Fallberichten zwischen 2 und 36 Monaten. Nur in zwei der drei Fallserien war eine Nachbeobachtung vorgesehen, die zwischen zwei und drei Jahren betrug. Über einen vollständigen Therapieerfolg wurde bei vier der acht Einzelfälle sowie in einer Fallserie bei weiteren drei Patienten berichtet. Dieser Effekt ließ sich bei den tonsillektomierten Patienten der beiden anderen Fallserien nicht beobachten, nicht einmal tendenziell.

Schlussfolgerung: Die Diagnosestellung einer PANDAS ist wegen der möglichen Überlagerungen durch neurologisch-psychiatrische Komorbiditäten und Fehlen eines zuverlässigen Biomarkers und erschwert. Der positive Einfluss der TE in den Einzelfallberichten kann nicht zweifelsfrei von dem Effekt der postoperativen Medikation abgegrenzt werden. Größere Fallserien konnten den vereinzelt beobachteten positiven Effekt des Eingriffs nicht bestätigen. Angesichts der nicht zu vernachlässigenden operationsbedingten Morbidität und Mortalitätsrate erscheint eine Indikationsstellung nur im Rahmen von kontrollierten Studien mit standardisierter Vorgehensweise empfehlenswert.

Abstract

Tonsillectomy for PANDAS?

Background: Pediatric autoimmune neuropsychiatric disorders associated with streptococcal infections (PANDAS) is a disease attributed to children with obsessive compulsive or tic disorders associated with streptococcal infections. Because otolaryngologists evaluate a large number of pediatric patients with recurrent streptococcal infections, tonsillectomy (TE) is a common option of therapy. This study was undertaken to evaluate the efficacy of tonsillectomy in patients presenting with a verified PANDAS.

Material and Methods: A PubMed research was performed using search terms „tonsillectomy“ and „PANDAS“, „OCD“, „compulsive“, „pediatric autoimmune“, „Chorea“ and „Tic“ limited by publication date January 1, 1995 to July 31, 2015. Reviews without patients were not included in the review.

Results: Nine papers matched our search terms, including 6 case reports with 8 patients and 3 case series. Most case reports were in favor for TE, but this was by far not supported by the findings in the case series. The follow-up ranged form 2-36 months (case reports) and 24-36 months (case series).

Conclusions: establishing the diagnosis of PANDAS is complicated by underlying co-morbidities in the field of neurology-psychiatry and the lack of a reliable biomarker. The positive outcome after TE as reported in case studies may be influenced by the postoperative medication and is not supported by the results of large-scale studies. In the light of the considerable postoperative morbidity and unavoidable mortality rate it appears wise to indicate TE only in clinical studies with standardized inclusion criteria.