Geburtshilfe Frauenheilkd 2021; 81(04): e4
DOI: 10.1055/s-0041-1726587
Abstracts
AGO der OEGGG

Zervikale Dysplasie in der Schwangerschaft und Auswirkung des Geburtsmodus auf den Verlauf der Erkrankung: Eine retrospektive Analyse von 219 Fällen

T Bracic
Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Med. Universität Graz, Graz
,
O Reich
Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Med. Universität Graz, Graz
,
K Tamussino
Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Med. Universität Graz, Graz
,
G Trutnovsky
Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Med. Universität Graz, Graz
› Author Affiliations
 

Einleitung Die Prävalenz der zervikalen intraepithelialen Neoplasie (CIN) in der Schwangerschaft wird geschätzt auf 1 %. Auffällige zervikale Abstriche finden sich bei 2-7 % der schwangeren Frauen. Ziel unserer Studie war es den Verlauf der zervikalen Dysplasie in der Schwangerschaft zu analysieren. Assoziationen mit Alter, Parität und Geburtsmodus wurden studiert.

Material und Methodik Daten von Schwangeren mit pathologischen zervikalen Abstrichen, welche sich in den letzten 10 Jahren an der Universitätsfrauenklinik Graz vorgestellt haben, wurden aus dem Dokumentationssystem MEDOCS extrahiert. Informationen über Zytologie, Histologie, Human Papillomavirus Status antepartal und postpartal, sowie Alter, Parität und Geburtsmodus wurden gesammelt. Der Verlauf der Erkrankung, sowie die Auswirkungen des Geburtsmodus wurden retrospektiv analysiert.

Ergebnisse 219 Frauen (mittleres Alter 29), welche sich antepartal und postpartal einer zytologischen und/oder histologischen Kontrolle unterzogen haben, wurden eingeschlossen. Antepartal präsentierten sich 47 % mit niedriggradigen squamösen intraepithelialen Läsionen (LSIL) und 40,2 % mit hochgradigen squamösen intraepithelialen Läsionen (HSIL). Antenatal wurden 78 (35,6 %) Patientinnen biopsiert wobei bei 6 Frauen eine CIN I und bei 56 eine CIN II/III nachgewiesen wurde. Postpartal zeigte sich eine zytologische Regressionsrate von 45,7 %, welche in der Gruppe der Patientinnen mit Atypischen glandulären Zellen (ASC) und LSIL mit 48 % und 47,6 % am höchsten war. Die höchste Persistenzrate zeigten Frauen mit HSIL mit 56,8 %.

CIN III persistierte in 59,1 % der Frauen und zeigte eine Regression in 27,3 %. 2 Frauen entwickelten eine invasive Erkrankung. 141 Frauen hatten eine vaginale Entbindung (VD) und 51 einen Kaiserschnitt (CS). Zytologische Regressionsraten zeigten, abhängig vom Geburtsmodus, keine Differenz: 45,5 % (VD) und 48 % (CS) (p = 0,478). Auch in Persistenz- und Progressionsraten konnte kein Unterschied nachgewiesen werden.

Zusammenfassung Unsere Studie zeigt die fehlende Auswirkung des Geburtsmodus auf den Verlauf der zervikalen Dysplasie in der Schwangerschaft. CIN und SIL weisen hohe Regressions- und Persistenzraten auf, ein Progress ist selten.



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Publication Date:
14 April 2021 (online)

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