Gesundheitswesen 2021; 83(08/09): 688
DOI: 10.1055/s-0041-1732075
Mittwoch 22.09.2021
Vorträge

„Ich bin eine Mischung aus Fachkraft und Freundin“ – Ergebnisse einer qualitativ-explorative Interviewstudie mit Hebammen in der COVID-19-Pandemie

J von Sommoggy
1  Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin/Medizinische Soziologie, Universität Regensburg, Regensburg, Deutschland
,
E-M Grepmeier
1  Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin/Medizinische Soziologie, Universität Regensburg, Regensburg, Deutschland
2  Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Magdeburg
,
J Curbach
1  Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin/Medizinische Soziologie, Universität Regensburg, Regensburg, Deutschland
› Author Affiliations
 

Einleitung COVID-19 hat die Arbeit von Hebammen in Deutschland verändert: Schnell wechselnde Gesundheitsinformationen und Hygieneschutzmaßnahmen stellen Hebammen vor Herausforderungen in ihrer Betreuung von Familien rund um die Geburt, v.a. in Geburtsvorbereitungskursen, in der Klinik und in der Nachsorge zu Hause. Ziel der Studie war es zu explorieren, welche Erfahrungen Hebammen mit der Betreuung von Familien während der COVID-19-Pandemie gemacht haben.

Methoden Von Mai 2020 bis Februar 2021 wurden 23 semi-standardisierte telefonische Interviews mit Hebammen (Praxiserfahrung: 5-42 Jahre) aus Bayern (n = 17) und Niedersachsen (n = 6) geführt. Die Interviews wurden aufgezeichnet, transkribiert und die Daten inhaltsanalytisch (Kuckartz 2012) computergestützt ausgewertet (Atlas.ti V8).

Ergebnisse Die Hebammen berichten, dass Beratungsleistungen entweder entfallen (v.a. Geburtsvorbereitungskurse, Vorstellung in der Klinik, Rückbildung) oder digital stattfinden (v.a. prä-/postnatale Beratung), der Kontakt zu den Familien ist unpersönlicher. Durch den Wegfall von Präsenzkursen, häufigere (digitale) Einzelbetreuung sowie durch Hygienemaßnahmen ist die Arbeitsbelastung gestiegen.

Informationen werden durch die regionalen Hebammenverbände laufend aktuell und verständlich aufbereitet weitergegeben. Spezifische offizielle Empfehlungen für den Arbeitsalltag im Hebammenberuf fehlen allerdings, die Hebammen sehen sich deshalb gezwungen, allgemeine Kontakt- und Hygieneempfehlungen aus dem Bereich Sport-/Freizeit oder aus der Pflege/Medizin eigenverantwortlich auszulegen und anzuwenden.

Fazit Die medizinische Grundversorgung durch die Hebammen findet weiterhin unter Anpassungen statt, während Leistungen im Grenzbereich zwischen medizinischer und psychosozialer Versorgung eingeschränkt werden.



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Publication Date:
02 September 2021 (online)

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