Notarzt 2016; 32(02): 76-86
DOI: 10.1055/s-0042-104845
CME – Fort- und Weiterbildung
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Wirbelsäulenverletzungen – von der Präklinik bis zum Schockraum

The Treatment of Spine Injuries in the prehospital and trauma bay SettingA. Franke1, D. Bieler1, M. Münzberg2, E. Kollig1
  • 1Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Rekonstruktive- und Handchirurgie, Verbrennungsmedizin Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz
  • 2Centrum für interdisziplinäre Rettungs- und Notfallmedizin (CiRN), BG Kliniken Ludwigshafen und Tübingen gGmbH, Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie - Luftrettungszentrum Christoph 5, BG - Unfallklinik Ludwigshafen
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Publication Date:
21 April 2016 (online)

Kernaussagen
  • Bei Wirbelsäulenverletzungen mit neurologischer Symptomatik handelt es sich grundsätzlich um eine Verletzungsentität, die es bei speziellen Unfallmechanismen und Befundkonstellationen zu berücksichtigen gilt.

  • Insbesondere bei einer lokalen Symptomatik im Verlauf der Wirbelsäule, motorischen oder sensiblen Ausfällen oder beim bewusstlosen oder bewusstseinsgetrübten Patienten mit entsprechender Traumaanamnese, ist zwingend von einer Wirbelsäulenverletzung auszugehen.

  • Alle Maßnahmen der Traumamanagement-Algorithmen (z. B. PHTLS® , ATLS® oder andere vergleichbare Formate) erfolgen in In-Line-Immobilisation und achsgerechter Lagerung unter Vermeidung von Manipulationen an der Wirbelsäule.

  • Die Behandlungsprioritäten bezüglich der vital bedrohlichen Komplikationen sind hiervon nicht betroffen.

  • Ist der Patient hämodynamisch instabil, trotz Berücksichtigung der Möglichkeit eines neurogenen Schocks, muss eine lebensbedrohliche Blutung in die Körperhöhlen und eine nicht reponierte, zusätzliche Beckenfraktur ausgeschlossen werden.

  • Trotz des Verdachts auf eine vorliegende Wirbelsäulenverletzung ist ein solcher Patient zeitnah in die nächste Einrichtung zu bringen, in der ggf. eine notfallmäßige chirurgische Blutstillung im Bereich der Körperhöhlen als Erstmaßnahme vor der weiteren Diagnostik im Sinne einer CT-Polytraumaspirale erfolgt.

  • Bei einem therapierefraktären Schockzustand nach Ausschluss aller möglichen Blutungsquellen ohne periphere Vasokonstriktion und ggf. Vorliegen einer Bradykardie muss von einem hohen Querschnitt ausgegangen werden – der Einsatz von Vasopressoren ist zur hämodynamischen Stabilisierung indiziert.

  • Ist der Patient hämodynamisch stabil, sollte ein zeitnaher Transport in eine für Diagnostik und Therapie von Wirbelsäulenverletzungen geeignete Einrichtung organisiert werden (z. B. überregionales Traumazentrum) – ggf. luftgebunden.

  • Beim Transport ist auf das Vermeiden von Lagerungsschäden und auf eine Hypothermieprophylaxe zu achten.

  • Nach der körperlichen Untersuchung ist die einfachste Möglichkeit, den Ausfall der Sensibilität unterhalb eines Dermatoms zu dokumentieren, das Markieren der Läsionshöhe und der Uhrzeit auf dem Rumpf des Patienten mit einem nicht abwaschbaren Filzstift oder Farbstift.