TumorDiagnostik & Therapie 2016; 37(04): 191-194
DOI: 10.1055/s-0042-106801
Thieme Onkologie aktuell
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Krebs und Ernährung – ein Paradigmenwechsel

Cancer and nutrition – a paradigma shift
R. Imoberdorf
1  Klinik für Innere Medizin, Departement Medizin, Kantonsspital Winterthur, Schweiz
,
M. Rühlin
2  Ernährungstherapie, Departement Medizin, Kantonsspital Winterthur, Schweiz
,
P. E. Ballmer
1  Klinik für Innere Medizin, Departement Medizin, Kantonsspital Winterthur, Schweiz
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Publication Date:
24 May 2016 (online)

Zusammenfassung

Deutliche internationale Unterschiede in der Häufigkeit von Krebs haben zu der Vermutung geführt, dass die Ernährung ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung von Krebs sein könnte. Experten sind der Meinung, dass die Ernährung in 30 – 35 % mitverantwortlich für die Entstehung von bösartigen Tumoren ist. Bereits vor Tumordiagnose haben viele Patienten Gewicht verloren als Folge einer Unter- oder Mangelernährung. Häufig verschlechtert sich der Ernährungszustand während der Erkrankung weiter. Als Folge der Tumorerkrankung sowie therapiebedingt führen Appetitlosigkeit, Geschmacksveränderungen, Übelkeit, Erbrechen zusätzlich zu Mangel- und Unterernährung. Die Mangelernährung hat einen erheblichen Einfluss auf die Prognose der Erkrankung und auch auf die Verträglichkeit der Therapie. Deshalb ist die Unterstützung der stark beeinträchtigten Patienten bei der Nahrungsaufnahme eine wichtige und vordringliche ärztliche und pflegerische Tätigkeit. Die physiologischen, pathophysiologischen, genetischen und molekularbiologischen Stoffwechselprozesse bei Krebs sind hochkomplex reguliert, deuten in ihrer Gesamtheit darauf hin, dass eine fett- und eiweißbasierte Ernährung favorisiert werden sollte, was einem Paradigmenwechsel zur sog. gesunden, ausgewogenen Ernährung mit viel Früchten, Gemüse und komplexen Kohlenhydraten entspricht. Die evidenzbasierte Datenlage wird aber durchaus kontrovers diskutiert.

Abstract

Substantial international differences in the prevalence of cancer disease suppose that nutrition may be an important factor in the development of cancer. Many experts believe, that nutritional factors may contribute up to 35 % to the development of malignant tumors. Many patients have lost substantial body weight already at the time of the diagnosis of the disease as consequence of undernutrition and malnutrition, respectively. During the course of the disease the nutritional status often is deteriorating further. Caused by both the cancer disease itself and the treatment, loss of appetite, changes in taste, nausea and vomiting may additionally contribute to undernutrition. Undernutrition is a relevant factor for the outcome of the disease and for the tolerance of the treatment as well. Therefore, supporting the heavily impaired patients in nutritional intake is of paramount importance and an urgent task for physicians and nurses. In view of physiology, pathophysiology, genetics and molecular biology, metabolic processes in cancer are highly complex regulated and there is increasing evidence that a diet rich in fat and protein is favourable. This, however, implies a paradigma shift away from the “healthy” balanced diet rich in fruit, vegetable and complex carbohydrates. So far, the evidence based data of this new concept is, however, a controversial issue.