Kardiologie up2date 2016; 12(02): 203-216
DOI: 10.1055/s-0042-108078
Koronare Herzerkrankung und Atherosklerose
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Neue Antidiabetika und kardiovaskuläre Outcome-Studien

Jochen Seufert
,
Katharina Laubner
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Publication History

Publication Date:
23 June 2016 (online)

Abstract

Type 2 diabetes mellitus (T2DM) represents a major risk factor for the development of cardiovascular events, and cardiovascular mortality determines overall mortality in these patients. So far, glucose lowering per se has demonstrated a small effect in reduction of cardiovascular risk in T2DM patients. Due to regulatory purposes, since 2008 all novel antidiabetic medications, such as DPP4 inhibitors, GLP-1 receptor agonists and SGLT2 inhibitors are investigated in dedicated cardiovascular outcome trials to demonstrate cardiovascular safety (non-inferiority trials). While the currently completed cardiovascular outcome trials for the DPP4 inhibitors sitagliptin, saxagliptin and alogliptin consistently demonstrated a neutral effect on cardiovascular risk, those trials for the GLP-1 receptor agonists revealed differential outcomes. Lixisenatide effects were neutral on cardiovascular outcomes while Liraglutide and Semaglutide demonstrated a reduction in cardiovascular risk. Most impressively was cardiovascular mortality, overall mortality and hospitalisation for heart failure reduced by the SGLT2 inhibitor empagliflozin in its dedicated outcome trial. These results strongly imply that certain novel antihyperglycaemic agents bear the potential to strongly reduce cardiovascular risk in patients with T2DM beyond their glucose lowering potency. The potential to reduce cardiovascular risk in patients with T2DM will selectively determine the clinical application of antidiabetic medications in the future.

Kernaussagen
  • Der Typ-2-Diabetes ist anerkanntermaßen einer der Hauptrisikofaktoren für die Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen. Bisherige kardiovaskuläre Outcome-Studien konnten jedoch lediglich einen geringen Einfluss einer Blutzuckersenkung per se auf die Senkung des kardiovaskulären Risikos bei Patienten mit Typ-2-Diabetes zeigen.

  • Aufgrund der Vorgaben der Zulassungsbehörden müssen sämtliche neuen Antidiabetika in kardiovaskulären Endpunktstudien untersucht werden. Diese sind primär auf Nichtunterlegenheit ausgelegt, sodass die Aussagekraft im Vergleich zu klassischen Endpunktstudien eingeschränkt ist.

  • Antidiabetika, die in kardiovaskulären Outcome-Studien untersucht werden, sind DPP4-Inhibitoren, GLP-1-Rezeptoragonisten und SGLT2-Inhibitoren.

  • Die derzeit abgeschlossenen kardiovaskulären Outcome-Studien für DPP4-Inhibitoren (Saxagliptin, Sitagliptin, Alogliptin) zeigen übereinstimmend einen neutralen Effekt auf das kardiovaskuläre Risiko bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und hohem kardiovaskulärem Risiko. Diese Medikamente können sicher bei diesen Patienten zur Blutzuckerkontrolle eingesetzt werden. Saxagliptin erhöhte geringgradig das Risiko für Hospitalisierung für Herzinsuffizienz, jedoch ohne Effekt auf die Mortalität.

  • Die derzeit abgeschlossenen kardiovaskulären Outcome-Studien für GLP-1-Rezeptoragonisten (Lixisenatide, Liraglutid, Semaglutide) zeigen differenzielle Effekte auf das kardiovaskuläre Risiko bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und hohem kardiovaskulärem Risiko. Während Lixisenatide einen neutralen Effekt zeigte, konnte für Liraglutid und Semaglutide eine Reduktion kardiovaskulärer Outcomes in kardiovaskulären Outcome-Studien dokumentiert werden.

  • Durch Hemmung des Natrium-Glukose-Cotransporters Typ 2 am Nierentubulus wird eine „therapeutische Glukosurie“, sowie eine substanzielle Natriurese induziert. Dieser Wirkmechanismus ist bei oralen Antidiabetika völlig neu und erstmals komplett insulinunabhängig. Er führt sowohl zu einer Senkung der Serumglukose, des HbA1c als auch zu einem Kalorienverlust über die Niere und zu einer milden osmotischen Diurese. Klinisch manifestiert sich diese Wirkung durch eine zusätzliche Senkung des Körpergewichts und des systolischen Blutdrucks.

  • In der EMPA-REG-OUTCOME-Studie wurde der SGLT2-Inhibitor Empagliflozin im Hinblick auf kardiovaskuläre Endpunkte untersucht. Obwohl als Nichtunterlegenheitsstudie ausgelegt, konnte diese Studie überzeugend zeigen, dass Empagliflozin das kardiovaskuläre Risiko, die kardiovaskuläre Mortalität und die Gesamtmortalität sowie die Hospitalisierung für Herzinsuffizienz bei Typ-2-Diabetikern mit hohem kardiovaskulärem Risiko signifikant senkt. Diese Ergebnisse stellen einen Durchbruch in der antihyperglykämischen Therapie des Typ-2-Diabetes dar.